San Francisco/London – Das KI-Unternehmen Anthropic hat in einem Threat-Intelligence-Bericht vom 10. September 2026 Fälle beschrieben, in denen Kriminelle, staatlich unterstützte Akteure, Überwachungsanbieter und andere seine Modelle zweckwidrig einzusetzen versuchten. Der Guardian berichtete darüber. Das Dokument umfasst nach Guardian-Angaben 154 Seiten. Anthropic schreibt, die dargestellten Fälle seien nicht typischer Alltagsmissbrauch, sondern besonders auffällige und neue Aktivitäten.
Genannt werden auf hoher Ebene Cyberoperationen einschließlich Spionage und Einbrüchen, Überwachung von Dissidenten, Propagandakampagnen in mehreren Ländern sowie Versuche, Software für konventionelle Waffen zu entwickeln. Fünf Fallstudien betreffen biologische Forschung. In einem Beispiel soll ein Wissenschaftler das Modell Claude für einen staatlich geförderten Antrag zu Chikungunya genutzt haben – einem durch Mücken übertragenen Virus. Solche Arbeit kann Impfstoffe betreffen, Anthropic stuft biologischen Missbrauch aber als eines der ernstesten Risiken von Frontier-Modellen ein, weil Absicht und Einrichtung unklar waren; der Antrag sei für ein militärisches Forschungsinstitut vorgesehen gewesen. Namen der Institute und Länder nannte das Unternehmen nicht.
Anthropic hat nach eigenen Angaben betroffene Konten gesperrt. Das Unternehmen sieht eine Pflicht, Missbrauch offenzulegen, und fordert Zusammenarbeit der Branche mit Regierungen bei Schutzmaßnahmen. Mit wachsender Modellfähigkeit stiegen die Risiken, wenn Entwickler und Behörden nicht gegensteuerten.
Die Darstellung stammt vom Anbieter selbst. Unabhängige Prüfung der einzelnen Fälle liegt nicht vor. Ob die Modelle tatsächlich taugliche Waffen- oder Erregerpläne lieferten, weist der Bericht in der öffentlichen Zusammenfassung nicht nach. Technische Vorgehensweisen der Akteure werden hier nicht wiedergegeben.
