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Cochrane Deutschland verliert ab 2028 Bundesförderung

Freiburg (LabNews Media LLC) – Die Cochrane Deutschland Stiftung (CDS) wird ab dem Jahr 2028 nicht mehr vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Das Ministerium hat der Stiftung nach eigenen Angaben mitgeteilt, dass die Förderung nicht über Ende 2027 hinaus fortgesetzt wird. Damit fehlt der Stiftung ab 2028 eine Finanzierung von jährlich gut einer Million Euro. Als Begründung nannte das Ministerium veränderte Rahmenbedingungen und haushaltspolitische Vorgaben, würdigte zugleich aber die Arbeit der Stiftung als erfolgreich und wertvoll.

Die Stiftung kündigte an, die kommenden Monate zu nutzen, um neue Förderer für die Zeit ab 2028 zu gewinnen. „Weil unsere Arbeit erfolgreich ist und wertvoll für die evidenzbasierte Gesundheitsversorgung der Menschen in Deutschland – zu erfolgreich und zu wertvoll, als dass wir sie einfach aufgeben würden“, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Newsletter Nr. 3/2026. Die Stiftung verweist darauf, dass neue, vertrauenswürdige Evidenz in Gesellschaft und Fachkreise zu tragen und Expertinnen und Experten zu methodischen Themen weiterzubilden ein öffentliches Gut sei. Gerade in Zeiten zunehmender Wissenschaftsskepsis und Desinformation würde ein Wegfall dieser Leistungen die evidenzbasierte Versorgung hierzulande spürbar schwächen.

Jahresbericht 2025 veröffentlicht

Die Stiftung hat ihren Jahresbericht 2025 veröffentlicht. Er dokumentiert nach eigenen Angaben das Symposium für die Fachcommunity, politische Advocacy-Arbeit, die intensive Kommunikation zu Review-Ergebnissen sowie regelmäßige Methoden-Workshops rund um systematische Übersichtsarbeiten. Der Bericht nennt die wichtigsten Projekte und Kennzahlen und gibt Einblick in die Forschungsschwerpunkte der neuen wissenschaftlichen Strategie des internationalen Cochrane-Netzwerks.

Interview zu Vertrauen in klinische Forschung

Jörg Meerpohl, Wissenschaftlicher Vorstand der Cochrane Deutschland Stiftung, stand dem trinationalen Sciana-Netzwerk für ein Expertengespräch zu klinischer Forschung zur Verfügung. Themen waren unter anderem, wo besonders viele klinische Studien durchgeführt werden, welche Hürden die Forschung in Deutschland erschweren und welche Personengruppen in der klinischen Forschung oft unterrepräsentiert sind. Das Sciana-Netzwerk ist eine Initiative der britischen Health Foundation, der Schweizer Stiftung Careum und der Robert Bosch Stiftung und bringt Fachleute aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz zusammen.

Leitartikel der neuen Cochrane-Chefredakteurin

Dr. Rupa Sarkar, neue Chefredakteurin von Cochrane, beschreibt in einem kürzlich in der Cochrane Library erschienenen Leitartikel die Rolle des Netzwerks. „Cochrane ist mehr als nur eine Produzentin von systematischen Reviews. Die Organisation setzt sich aktiv für Evidenz ein und verteidigt im öffentlichen Diskurs deren Qualität, Integrität und unverzichtbare Anwendung“, schreibt Sarkar. Sie geht darin auch der Frage nach, wie sich Cochrane weiterentwickeln soll, um besser auf gesellschaftliche Herausforderungen wie zunehmende Desinformation sowie die Risiken und Chancen von Künstlicher Intelligenz zu reagieren. Die CDS hat den Leitartikel ins Deutsche übersetzt und auf ihrem Blog „Wissen was wirkt“ veröffentlicht.

Aktualisierte Cochrane Reviews zu E-Zigaretten

Ein aktualisierter Cochrane Review untersuchte, wie gut E-Zigaretten Raucherinnen und Rauchern bei der Tabakentwöhnung helfen. Ergebnis: Nikotinhaltige E-Zigaretten bringen mittelfristig etwas mehr Menschen vom Tabak ab als Nikotinpflaster, -kaugummis und andere herkömmliche Nikotinersatzpräparate. Einem Großteil der Menschen gelingt jedoch auch mit E-Zigaretten kein Rauchstopp. Über den Review berichteten unter anderem die Ärztezeitung.

Ein weiterer aktualisierter Cochrane Review befasste sich mit der Frage, wie Jugendliche vom Vapen abgehalten werden können. Ergebnis: Jugendliche, die häufiger individualisierte Textnachrichten aufs Handy etwa zu den Risiken des Vapens erhalten, beenden ihren Konsum wahrscheinlich häufiger als Jugendliche, bei denen lediglich einmal pro Monat per Textnachricht der Konsum abgefragt wird oder die auf einer Warteliste stehen.

EbM-Netzwerk kritisiert Förderentscheidung

Das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk) hat öffentlich gefordert, die Arbeit der Cochrane Deutschland Stiftung auch nach 2027 durch eine verbindliche, an überprüfbaren Zielen ausgerichtete öffentliche Finanzierung langfristig abzusichern. Das Netzwerk kritisiert die Entscheidung des Bundesministeriums für Gesundheit, die Stiftung nicht über Ende 2027 hinaus zu fördern, als „ein falsches Signal in Zeiten von Fake News und Wissenschaftsskepsis“. Damit drohe die Schwächung einer wichtigen Säule der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung in Deutschland.

Veranstaltungen und Ausschreibungen

Die CDS setzt ihr Fortbildungsprogramm fort. Am 18. November 2026 findet der Abschlusstermin der Leitliniensprechstunden 2026 statt, diesmal zur kritischen Bewertung diagnostischer Studien. Die Sprechstunde richtet sich insbesondere an Leitlinien-Entwickelnde, die vom IQWiG unterstützt oder aus dem Innovationsfonds gefördert werden. Cochrane Deutschland bietet diese Beratung seit dem vergangenen Jahr gemeinsam mit Fachleuten der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) an.

Der EbM-Kongress 2027 findet vom 10. bis 12. März 2027 unter dem Motto „Medizin im Alter. Rationalisierung statt Rationierung – Das leistet die Evidenzbasierte Medizin“ in Halle an der Saale statt. Abstracts können noch bis zum 15. Oktober eingereicht werden.

Die Ausschreibung des Journalistenpreises „EbM in den Medien“ läuft. Beiträge, die zwischen dem 1. Januar und 30. November 2026 erstmals in einem deutschsprachigen Medium veröffentlicht wurden, können bis zum 4. Dezember 2026 eingereicht werden. Die Verleihung findet auf dem EbM-Kongress im März 2027 statt.

Weitere Workshops und Webinare

Zu den nächsten Veranstaltungen der CDS zählen ein Workshop zu systematischen Übersichtsarbeiten vom 8. bis 13. Oktober 2026, ein Lunch-&-Learn-Webinar zu Patient and Public Involvement am 21. Oktober 2026, ein Spotlight-on-Methods-Webinar zur neuen PRISMA-QES-Leitlinie am 28. Oktober 2026, ein Workshop zur kritischen Bewertung von RCTs mit RoB 2 am 12. November 2026, ein Spotlight-on-Methods-Webinar zu QUADAS-3 am 18. November 2026, ein Workshop zur kritischen Bewertung systematischer Übersichtsarbeiten mit AMSTAR 2 am 23. November 2026 sowie ein GRADE-Workshop vom 2. bis 4. Dezember 2026.

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The Editors in Chief of labnews.ai are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists since 1994.More details about their writing on X-Press Journalistenbüro (https://xpress-journalisten.com).More Info on Wikipedia:About Marita: https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollborn About Vlad: https://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu
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