DRESDEN, 3. September (LabNews Media LLC) – Kai Markus Schneider erhält für das Projekt LIVER-CIRCUITS einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats von knapp 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre. Das Team der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden will klären, ob das Nervensystem mit einem Cholangiokarzinom kommuniziert und dessen Verhalten steuert.
Gallengangskrebs wird oft spät entdeckt und bleibt schwer zu behandeln. LIVER-CIRCUITS nimmt Nervenfasern im Tumor und seinem Umfeld in den Blick, vor allem das sympathische System und den Austausch mit Krebs-, Immun- und anderen Gewebszellen. Räumliche Analysen sollen mit Modellen kombiniert werden, in denen sich neuronale Schaltkreise verändern lassen. Langfristig soll diese Kommunikation unterbrochen werden – als Forschungsziel, nicht als bereits verfügbare Therapie.
Schneider, der selbst Patientinnen und Patienten mit Leber- und Gallenwegserkrankungen behandle, verwies auf den unmittelbaren Bedarf an neuen Optionen. Mit LIVER-CIRCUITS werde eine neue Dimension der Tumorbiologie zugänglich. Reizvoll sei die Verbindung von Grundlagenforschung und Klinik. Gelinge die Entschlüsselung der Schaltkreise, könnten langfristig Biomarker und neue Therapiewege entstehen. Diese Brücke vom Mechanismus zur besseren Behandlung sei Antrieb für Projekt und Alltag.
Dekanin Esther Troost erklärte, die Untersuchung der Nervenfasern im Tumorumfeld setze an einer für die Dresdner Onkologie strategisch relevanten Stelle an; die Förderung stärke den Standort. Sie begrüßte, dass Schneider nach Dresden gekommen sei. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums, ergänzte, die Mechanismen seien therapeutisch bislang ungenutzt; eine präzisere Fassung könne Fortschritt für Betroffene bringen.
Schneider ist seit Oktober 2024 Professor für Molekulare Gastroenterologie und Hepatologie und Oberarzt an der Medizinischen Klinik I. Das Team forscht am CRTD und am Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Digitale Gesundheit. Stationen waren Aachen, Harvard, MD Anderson und Pennsylvania. Auszeichnungen sind unter anderem der Heinz-Maier-Leibnitz-Preis und der Theodor-Frerichs-Preis.
Der ERC stellt 2026 rund 705 Millionen Euro für etwa 450 Starting Grants bereit; 4807 Anträge gingen ein. Die Förderung richtet sich an Forschende bis zehn Jahre nach der Promotion. Ob sich neuronale Schaltkreise beim Cholangiokarzinom klinisch nutzen lassen, muss das Projekt erst belegen.
