Die finalen Ergebnisse der PAPILLON-Studie bestätigen den langfristigen Nutzen des bispezifischen Antikörpers Amivantamab. Die Zugabe des Wirkstoffs zur herkömmlichen Chemotherapie führt bei Patienten mit einer schwer zu behandelnden, seltenen Form des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses (NSCLC) zur längsten mittleren Gesamtüberlebenszeit, die bisher für diese Erkrankung berichtet wurde. Dr. Chul Kim vom Lombardi Comprehensive Cancer Center der Georgetown University stellte die Daten der Phase-III-Studie auf der Weltkonferenz für Lungenkrebs in Seoul vor.
Signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens
In der Patientengruppe mit einer spezifischen Mutation (EGFR-Exon-20-Insertionsmutation) lag das mittlere Gesamtüberleben unter der Kombinationstherapie bei 34,3 Monaten – im Vergleich zu 27,9 Monaten bei einer alleinigen Chemotherapie. Historisch gesehen betrug die Lebenserwartung bei dieser Patientengruppe lediglich rund anderthalb bis zwei Jahre. Der statistische Vorteil fiel im direkten Vergleich rechnerisch geringer aus, da etwa drei Viertel der Patienten aus der Kontrollgruppe nach dem Fortschreiten ihrer Erkrankung im Studienverlauf ebenfalls Amivantamab erhielten.
Verbesserung des progressionsfreien Überlebens und der Lebensqualität
Die Auswertungen der klinischen Studie zeigen deutliche Vorteile der Kombinationsbehandlung gegenüber der Kontrollgruppe:
- Progressionsfreies Überleben: Die Zeit ohne signifikantes Tumorwachstum betrug 11,4 Monate mit Amivantamab und Chemotherapie, während sie bei der reinen Chemotherapie bei 6,7 Monaten lag. Das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung sank damit um 60 Prozent.
- Ansprechrate: Bei 73 Prozent der Patienten im Amivantamab-Arm verkleinerte sich der Tumor oder verschwand vollständig. In der reinen Chemotherapie-Gruppe lag dieser Wert bei 40 Prozent.
- Lebensqualität: Die von den Patienten selbst berichteten Ergebnisse zur Lebensqualität fielen zugunsten der Amivantamab-Kombination aus.
Bedeutung genomischer Tests unterstrichen
Die seltene EGFR-Exon-20-Insertionsmutation betrifft etwa ein bis zwei Prozent aller Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Die Studienautoren betonen daher die Notwendigkeit von Next-Generation-Sequencing (NGS). Nur durch diese umfassende Genomanalyse lassen sich solche seltenen genetischen Veränderungen im Tumor präzise identifizieren, um Betroffenen eine maßgeschneiderte, zielgerichtete Erstlinientherapie anzubieten. Das Medikament Amivantamab ist in den USA bereits seit März 2024 für diese Indikation zugelassen.
Die Studie ist unter der ClinicalTrials.gov-Kennung NCT04538664 registriert.
