ATLANTA, 3. September (LabNews Media LLC) – Das zugelassene Krebsmedikament Venetoclax verringerte in Kombination mit antiretroviraler Therapie (ART) das Reservoir von SIV-infizierten CD4-T-Zellen bei Rhesusaffen schneller als ART allein. Nach zehn Tagen Venetoclax blieb die Last infizierter Zellen monatelang niedriger, obwohl nur noch ART lief. Das berichten Tomas Raul Wiche Salinas und Mirko Paiardini (Emory) in Nature Microbiology (DOI: 10.1038/s41564-026-02464-7). Die Arbeit ist ein Affen-Proof-of-Concept, keine Heilung von HIV beim Menschen.
Venetoclax blockiert Bcl-2, ein Protein, das das Überleben von Krebszellen und nach Angaben der Autoren auch von HIV-Reservoirzellen stützt. Vierzehn Tage nach SIV-Infektion erhielten die Tiere ART allein oder plus Venetoclax. Rhesusaffen gelten als das präklinische Modell, das menschliche Immunantworten und latente Zellen unter Langzeit-ART am ehesten abbildet. Längere Gabe soll stärker auf das Reservoir wirken; das prüft das Labor noch, ebenso Wege, auf denen infizierte Zellen trotz Bcl-2-Blockade überleben.
Mitautoren sind unter anderem Deanna Kulpa und Guido Silvestri (Emory, ERASE HIV), Andrew Badley (Mayo Clinic) und Brad Jones (Weill Cornell). Förderung kam vom NIH, darunter das Martin-Delaney-Konsortium ERASE-HIV und das Emory Center for AIDS Research.
Reservoirzellen, die trotz ART persistieren und bei Therapiepause das Virus zurückbringen, bleiben das zentrale Hindernis einer Heilung. Ein zugelassenes Onkologikum im Affenmodell beschleunigt die Translation, ersetzt aber keine Studie an Menschen mit HIV. Toxizität von Venetoclax und Dauer der Kombination sind ungeklärt.
