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MedLabAwards 2026: DGKL zeichnet Spitzenforschung und Digitalisierung in der Labormedizin aus

Hamburg (LabNews Media LLC) – Mit einer feierlichen Gala im Zeichen wegweisender translationaler Durchbrüche und digitaler Transformation hat in Hamburg der Deutsche Kongress für Laboratoriumsmedizin (DKLM) 2026 begonnen. Im Rahmen der Verleihung der MedLabAwards am Mittwochabend zeichnete die Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) Spitzenforscher aus, deren molekularbiologische, pathophysiologische und computergestützte Arbeiten die Diagnose und Therapie schwerer Erkrankungen voranbringen. DGKL-Vorstand Jan Wolter führte durch die Auftaktveranstaltung im Congress Center Hamburg (CCH).

Preis für Biochemische Analytik: Zwei Auszeichnungen

Der traditionsreiche, von Sarstedt gestiftete Preis für Biochemische Analytik 2026 wurde in diesem Jahr zweimal vergeben. DGKL-Präsidentin Prof. Dr. Mariam Klouche überreichte die Auszeichnungen für bahnbrechende Leistungen an der Schnittstelle von Analytik und Klinik.

Professor John D. Lambris (University of Pennsylvania) wurde für die systematische Entschlüsselung des Komplementfaktors C3 geehrt, eines zentralen Schlüsselmoleküls der humoralen angeborenen Immunität. Lambris überwand nach Angaben der DGKL das Dogma, dass die kaskadenartige Komplementaktivierung pharmakologisch nicht gezielt modulierbar sei. Ausgehend von hochauflösenden Kristallstrukturen, Liganden-Interaktionsstudien und kinetischem Profiling identifizierte sein Labor 1996 mit Compstatin den ersten peptidbasierten C3-Inhibitor. Durch iteratives rationales Design entstand daraus das zugelassene Therapeutikum Pegcetacoplan, das heute Patienten mit paroxysmaler nächtlicher Hämoglobinurie (PNH), C3-Glomerulopathie oder geographischer Atrophie vor intravasaler Hämolyse, Organversagen und dem Verlust des Sehvermögens schützt. Zudem entwickelte Lambris mit der makrozyklischen Variante Cp60 ultrasensitive molekulare Sonden zum Nachweis C3-opsonisierter Zellen.

Professor Fabian Theis, Direktor des Computational Health Centers am Helmholtz Zentrum München und Professor an der Technischen Universität München, wurde ebenfalls mit dem Preis für Biochemische Analytik ausgezeichnet. Theis gilt als führender Vertreter der computergestützten Biologie und rechnergestützten Omics-Verfahren. Er entwickelte mathematisch-algorithmische Verfahren und KI-basierte Software-Ökosysteme wie Scanpy, CellRank oder moscot, die es ermöglichen, gigantische multidimensionale Datenmengen aus Millionen von Einzelzellprofilen stochastisch zu ordnen und dynamische zelluläre Differenzierungspfade im Raum-Zeit-Verlauf vorherzusagen. Als Co-Koordinator des „Human Lung Cell Atlas“ kartografierte er pathophysiologische Signalwege bei pulmonalen Erkrankungen sowie die rezeptorvermittelte Invasion von SARS-CoV-2 in das Atemwegsepithel. Seine aktuellen Arbeiten an generativen KI-Modellen ermöglichen die In-silico-Simulation zellulärer Reaktionen auf Medikation und Mutationen („virtuelle Zelle“).

Ivar-Trautschold-Nachwuchsförderpreis für Linda Schönborn

Mit dem renommierten Ivar-Trautschold-Nachwuchsförderpreis 2026 zeichnete die DGKL Priv.-Doz. Dr. med. habil. Linda Schönborn aus. Die Ärztin in Weiterbildung für Transfusionsmedizin und Clinician Scientist an der Universitätsmedizin Greifswald erhielt die Auszeichnung für eine im New England Journal of Medicine publizierte Originalarbeit zur Aufklärung der Vakzin-induzierten Immunthrombozytopenie und Thrombose (VITT).

Ihrem Team gelang mittels Antikörper-Proteomik und funktionellen Thrombozytentests die mechanistische Aufklärung dieser prothrombotischen Komplikation. Die Arbeit belegt nach Angaben der DGKL eine molekulare Mimikry zwischen dem stark kationischen Adenovirus-Coreprotein pVII und dem kationischen Plättchenfaktor 4 (PF4). Liegt bei betroffenen Patienten das Immunglobulin-Leichtketten-Allel IGLV3-21*02 oder *03 vor, führt eine spezifische somatische Hypermutation zu einem Ladungsaustausch in der hypervariablen Region. Dies generiert ein stark negativ geladenes Paratop, das mit extrem hoher Avidität an PF4 bindet. Die resultierenden pathogenen PF4-IgG-Immunkomplexe bewirken über eine Fc?IIa-Rezeptor-Kreuzvernetzung eine massive, unkontrollierte Thrombozytenaktivierung und fulminante Gefäßverschlüsse an untypischen Lokalisationen. Schönborn zeigte zudem, dass diese anti-PF4-Antikörper auch im Rahmen natürlicher viraler Infektionen als Ursache transienter thrombotischer Komplikationen auftreten. Die Arbeit liefert den strukturellen Bauplan für optimierte, sicherere Adenovirus-Vektorplattformen.

Förderpreis Digitales Labor für Gunnar Brandhorst

Den von der Limbach Gruppe gestifteten Förderpreis Digitales Labor übergab DGKL-Vizepräsident Prof. Dr. Thomas Streichert an PD Dr. med. Gunnar Brandhorst vom Universitätsinstitut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des Klinikums Oldenburg. Gewürdigt wurde die Entwicklung des webbasierten Software-Tools ReferenceRangeR.

Referenzintervalle bilden nach Angaben der DGKL die mathematische Basis jeder laboratoriumsmedizinischen Befundinterpretation, doch ihre laborspezifische Validierung nach DIN EN ISO 15189 scheitere in der Routine oft an den Hürden direkter Referenzwertstudien. Brandhorsts Anwendung integriert komplexe mathematisch-indirekte Berechnungsverfahren zur Extraktion von Referenzintervallen aus bestehenden großen Routinedatensätzen in einer intuitiven grafischen Benutzeroberfläche. Das Tool erlaubt den direkten Methodenvergleich, die Prüfung alters- und geschlechtsspezifischer Stratifizierungen sowie die Verifizierung von Entscheidungsgrenzen, ohne dass vertiefte statistische Programmierkenntnisse auf Anwenderseite erforderlich sind. Die jüngst im Fachjournal Clinical Chemistry and Laboratory Medicine publizierte Open-Access-Anwendung überführe komplexe statistische Methodenforschung direkt in die breite digitale Laborpraxis.

Kongressprogramm

Nach dem MedLabAwards-Abend setzen die rund 1.300 Teilnehmenden den Kongress ab Donnerstag mit dem wissenschaftlichen Hauptprogramm fort. Im Fokus stehen nach Angaben der Veranstalter unter anderem translationale Onkologie, Immundiagnostik, zukunftsfähige Qualitätsmanagement-Strukturen sowie der Einzug multidimensionaler KI-Modelle im medizinischen Labor.

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The Editors in Chief of labnews.ai are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists since 1994.More details about their writing on X-Press Journalistenbüro (https://xpress-journalisten.com).More Info on Wikipedia:About Marita: https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollborn About Vlad: https://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu
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