London/Westminster. Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Krebsbehandlung stehen viele Betroffene vor der Herausforderung, sich an eine „neue Normalität“ anzupassen. Eine qualitative Begleitstudie zur klinischen SURECAN-Studie zeigt nun, dass eine speziell angepasste Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT+) Krebserlebenden effektiv dabei hilft, soziale Isolation zu überwinden und wieder ein werteorientiertes Leben zu führen. Die unter der Leitung von Dr. Anna Cheshire von der Universität Westminster durchgeführte Untersuchung wurde im Fachjournal European Journal of Cancer Care veröffentlicht.
Die Forschenden führten leitfadengestützte Interviews mit 24 Patientinnen und Patienten sowie fünf therapeutischen Fachkräften. Alle teilnehmenden Krebserlebenden befanden sich in Remission, litten jedoch nach der Akutbehandlung unter einer verminderten Lebensqualität, chronischer Erschöpfung (Fatigue) oder der Angst vor einem Rückfall. Als besonders wirksam kristallisierten sich die Kombination aus praktischen Achtsamkeitsübungen („Mindfulness“) und dem gezielten Umsetzen persönlicher Werte in konkrete Handlungen („Committed Action“) heraus.
Zentrale Pfeiler und Barrieren der ACT+-Intervention
- Achtsamkeit & Präsenz: Das bewusste Verweilen im gegenwärtigen Moment half den Betroffenen, sich von angstvollen Grübeleien zu distanzieren und emotionale Überforderung (z. B. durch traumatische Behandlungserinnerungen) zu regulieren.
- Wertebasierte Aktivität: Das Herunterbrechen großer Ziele in kleine, realistische Schritte ermöglichte es den Patienten, trotz anhaltender körperlicher Einschränkungen wieder am sozialen Leben teilzunehmen, Hobbys aufzunehmen oder familiäre Beziehungen zu stärken.
- Klinische Barrieren: Nicht alle Elemente waren gleichermaßen erfolgreich. Strukturierte Sport- und Arbeitsmarktziele (das „+“ der Therapie) wurden von Menschen im Ruhestand oder mit schweren körperlichen Folgeschäden (wie Arthritis) teils als Überforderung empfunden. Zudem empfanden erschöpfte Patienten das 92-seitige Begleithandbuch als zu komplex.
Die Erhebung verdeutlicht, dass Krebspatienten nach der Entlassung aus der Akutmedizin oft eine psychologische Versorgungslücke erleben. Als entscheidender Erfolgsfaktor der Therapie erwies sich die vertrauensvolle, flexible und empathische Beziehung zu den Therapeuten, die den Betroffenen das Gefühl von Sicherheit gab und Einsamkeitsgefühle linderte. Das Team plädiert dafür, ACT+ fest in die nachsorgenden Versorgungspfade zu integrieren, die Materialien jedoch in Zukunft gemeinsam mit Patientengruppen barriereärmer zu gestalten.
Die sechs Kernprozesse des ACT-Modells in der Praxis
| Therapiesäule | Kernprozess (ACT) | Praktische Umsetzung & Patientenerfahrung laut Studie |
|---|---|---|
| Open up (Sich öffnen) | Akzeptanz | Erkennen und Annehmen von Krebssymptomen (z. B. Fatigue), veränderten Lebensumständen und schwierigen Emotionen, ohne dagegen anzukämpfen. |
| Defusion | „Entschärfen“ destruktiver Gedankenverläufe (z. B. durch die „Gedankenzug“-Übung), um emotionale Distanz und Beruhigung zu gewinnen. | |
| Being present (Gegenwärtig sein) | Kontakt im Hier & Jetzt | Gezieltes Lenken der Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper und die Sinne (Grounding), um akute Angstzustände effektiv zu mindern. |
| Das beobachtende Selbst | Einnehmen einer übergeordneten Zeugenrolle gegenüber den eigenen Ängsten; eng verknüpft mit den Effekten der kognitiven Defusion. | |
| Doing what matters (Sinnvoll handeln) | Werte | Identifikation dessen, was im Leben wirklich zählt (z. B. soziale Nähe); half unter anderem, den Verlust des Arbeitsplatzes neu zu bewerten. |
| Engagiertes Handeln | Schrittweises Wiederaufnehmen bedeutsamer Aktivitäten (z. B. Hobbys, Chor, Treffen mit Freunden) trotz anhaltender gesundheitlicher Beschwerden. |
Hinweis zur Originalpublikation: Die Studie ist unter der DOI 10.48130/ejcc-0026-0008 registriert.
