Sanaa – Das Nationale Zentrum für öffentliche Gesundheitslabore und das Nationale Zentrum für Bluttransfusion und Forschung haben in Sanaa eine Pressekonferenz zu Engpässen in der Labordiagnostik und bei Blutkonserven abgehalten. Die von den Behörden in Sanaa kontrollierte Agentur Saba berichtete darüber am 13. September 2026. Die Angaben stammen von dortigen Gesundheitsstellen. Sie sind unabhängig nicht bestätigt.
Teilgenommen haben nach dem Bericht der stellvertretende Gesundheitsminister Essam Al-Rumaima und der Laborleiter Abdul-Ilah Al-Harazi. Sie führten Lieferprobleme bei Reagenzien, Verbrauchsmaterial und Ersatzteilen auf eine von ihnen so genannte saudische Blockade zurück. Interne und externe Schulungen seien unterbrochen. Davon betroffen seien öffentliche und private Labore.
Yasser Al-Qubati vom Bluttransfusionszentrum und der Sprecher Mohsen Al-Lahba beschrieben knappe Vorräte an Thrombozyten, Plasma und Erythrozyten. Mehr als tausend Thalassämie-Patientinnen und -Patienten sowie mehr als sechstausend Menschen mit Sichelzellanämie benötigten regelmäßig Transfusionen. Notfälle, Geburten mit starken Blutungen und Operationen seien zusätzlich belastet. Niedrige Spenderzahlen und fehlende Testmaterialien erhöhten das Risiko.
Eine vom Ministeriumssprecher Anis Al-Asbahi verlesene Erklärung sprach von einer schweren Krise des Gesundheitswesens durch Beschränkungen an Land-, See- und Luftwegen sowie höhere Transportkosten. Humanitäre Hilfe sei zurückgegangen. Zweigstellen der Zentrallabore in Hodeida, Amran, Ibb, Dhamar, Al Mahwit, Hajjah, Ad-Dali und Saada sowie das Transfusionszentrum in Sanaa seien beschädigt oder zerstört worden. Stromausfälle hätten Reagenzien, Proben und Kühlketten beeinträchtigt. Der Flughafen Sanaa bleibe für Behandlungsreisen geschlossen. Fachkräfte wanderten ab.
Das Ministerium nannte konkrete Fehlquoten. Demnach fehlen 60 Prozent der Laborreagenzien, 40 Prozent der Verbrauchsmaterialien, 50 Prozent der Qualitätskontrollstoffe, 35 Prozent der Bakterienkulturen, 70 Prozent der PCR-Tests, 40 Prozent der allgemeinen Bluttests, 70 Prozent der Mittel zur Transfusionssicherheit und 60 Prozent der chemisch-serologischen Tests. Insgesamt liege das Defizit bei essenziellen Tests und Verbrauchsmaterialien bei 59 Prozent. Treibstoffknappheit bedrohe mehr als 1500 Gesundheitseinrichtungen sowie 400 Blutbanken und Labore. Ohne Reagenzien für HIV und Hepatitis seien Transfusionen unsicher. Blutgasanalysen, Herzenzyme und Elektrolyte auf Intensivstationen seien oft nicht möglich. Infektionskrankheiten wie Cholera, Dengue und Malaria würden dann nur klinisch erkannt. PCR– und Biochemie-Geräte fielen wegen Strom und fehlender Wartung aus.
Jemen leidet seit Jahren unter Krieg, zersplitterter Verwaltung und eingeschränktem Zugang zu Hilfsgütern. Die Vereinten Nationen beschreiben das Gesundheitssystem als schwer belastet. Die von Saba verwendeten Zuschreibungen an Saudi-Arabien und die genannten Prozentwerte sind Stellungnahmen der Behörden in Sanaa. Sie ersetzen keine Prüfung durch WHO oder andere unabhängige Stellen. Eine Aufhebung von Einfuhrhindernissen und gesicherte Kühlketten bleiben für Labore und Blutbanken entscheidend.
