Budapest (LabNews Media LLC) – Hunde-Gehirne unterteilen menschliche Sprache einer neuen Studie zufolge auf eine Weise in einzelne Wörter, die bisher als einzigartig für den Menschen galt. Wie ungarische Forscher der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest nachwiesen, zeigen auch Hunde eine sogenannte Konsonanten-Präferenz („consonant bias“). Das bedeutet, dass sich das Gehirn beim Herausfiltern von Wörtern aus einem kontinuierlichen Sprachfluss vor allem an den Konsonanten orientiert. Die im Fachjournal Science veröffentlichte Entdeckung legt nahe, dass diese effiziente Sprachverarbeitung keine exklusive menschliche Fähigkeit ist, sondern durch das bloße regelmäßige Hören von Sprache via Mustererkennung erlernt werden kann (DOI: 10.1126/science.adw7709).
Das Team um den Kognitionsneurowissenschaftler Attila Andics verglich mittels nicht-invasiver Elektroenzephalografie (EEG) die Gehirnaktivität von jeweils 20 Menschen und 20 Haushunden. Während des Experiments hörten die Teilnehmer kontinuierliche Sprachströme ohne Pausen. In einigen Testläufen bildeten wiederkehrende Konsonanten-Muster die Skelette von Wörtern, in anderen waren es Vokale, und eine Kontrollgruppe enthielt gar keine Muster. Bei den auf Konsonanten basierenden Sprachströmen synchronisierte sich die Gehirnaktivität der Hunde – genau wie die der Menschen – signifikant stärker mit dem Rhythmus der Wörter als bei den anderen Varianten. Zudem zeigte sich bei beiden Spezies rund 400 Millisekunden nach Beginn eines Wortes eine charakteristische elektrische Veränderung im Gehirn, die exakt das Zeitfenster für die Wortsegmentierung widerspiegelt.
Interessanterweise trat dieser neuronale Effekt auch bei Hunden auf, die ihre ersten Lebensmonate im Tierheim oder auf der Straße verbracht hatten und nicht von Geburt an in einer sprachreichen familiären Umgebung aufgewachsen waren. Dies stützt die These, dass die zelluläre Präferenz auf einfacher Mustererkennung beruht und keine genetisch vorverdrahteten Sprachmechanismen erfordert. Dennoch dokumentierten die Forscher feine Unterschiede: Während das menschliche Gehirn kontinuierliche Sprache feiner auflöst und bis auf die Ebene einzelner Sprachlaute synchronisiert, bilden für Hunde Silben die kleinste Verarbeitungseinheit. Zudem konnten Menschen im Gegensatz zu den Hunden auch Wörter erkennen, die rein durch Vokalmuster strukturiert waren.
