Mailand/Brüssel (LabNews Media LLC) – Europa muss nach Ansicht führender Forscher seine wissenschaftlichen Entdeckungen deutlich effektiver in neue Technologien, Produkte und Unternehmen überführen. Um bestehende bürokratische Hürden abzubauen, fordert ein internationales Wissenschaftler-Netzwerk im Fachjournal Science eine grundlegende Reform der europäischen Innovationsförderung sowie ein Umdenken an den Universitäten (DOI: 10.1126/science.ady2388). Anhaltende institutionelle Barrieren würden derzeit verhindern, dass exzellente Forschung ihr volles wirtschaftliches und gesellschaftliches Potenzial entfalte.
Hinter der Initiative steht das 2023 gegründete Netzwerk „INPACT!“, dem mehr als 120 forschende Gründer aus über 20 europäischen Ländern angehören. In ihrer Analyse des aktuellen EU-Rahmenprogramms „Horizon Europe“ (2021–2027) bemängeln die Autoren eine starke Fragmentierung der Förderstrukturen. Demnach klafft eine administrative Lücke zwischen den „Proof of Concept“-Grants des Europäischen Forschungsrates (ERC), die der Überprüfung praktischer Ansätze dienen, und den anschließenden Marktreife-Programmen des Europäischen Innovationsrates (EIC).
Das Netzwerk schlägt daher vor, die ERC-Validierungsförderung direkt unter das Dach des EIC zu stellen, um einen nahtlosen Übergang von der Entdeckung bis zur Kommerzialisierung zu schaffen, Doppelprüfungen zu reduzieren und Investoren mehr Vorhersehbarkeit zu bieten. Zudem fordern die Experten kürzere Bewerbungsverfahren und eine stärkere finanzielle Unterstützung für risikoreiche Pionierprojekte in der Frühphase. Bislang beläuft sich das kombinierte Jahresbudget für die EIC-Programme „Pathfinder“ und „Transition“ auf rund 500 Millionen Euro, was im internationalen Vergleich mit US-amerikanischen Forschungsagenturen als zu gering eingestuft wird. Europa stecke derzeit in einer Technologiefalle fest: Man sei zwar stark in reifen Industrien wie dem Automobilbau, hinke jedoch in zukunftsweisenden Sektoren wie Künstlicher Intelligenz oder Biotechnologie hinterher.
Neben der politischen Ebene sieht das Netzwerk auch die Universitäten in der Pflicht. Diese müssten Rahmenbedingungen schaffen, in denen Akademiker nicht länger gezwungen sind, sich zwischen einer klassischen wissenschaftlichen Laufbahn und dem Unternehmertum zu entscheiden. Nötig seien eine stärkere Anerkennung von Ausgründungen bei der wissenschaftlichen Karrierebewertung, ein verbessertes Management von geistigem Eigentum sowie ein einfacherer Zugang zu Patenten, Industriepartnerschaften und professionellem Mentoring.
