Wer sich bei der Arbeit zu stark auf Künstliche Intelligenz verlässt, riskiert, das Vertrauen in die eigene Denkfähigkeit und das Gefühl der Urheberschaft an eigenen Ideen zu verlieren. Das zeigt eine Studie der American Psychological Association (APA).
In der Untersuchung bearbeiteten 1.923 Erwachsene aus den USA und Kanada zehn simulierte Arbeitsaufgaben mit kommerziellen KI-Programmen. Die Aufgaben umfassten Planung unter unvollständigen oder sich verändernden Informationen, Interpretation mehrdeutiger Daten und das Begründen strategischer Entscheidungen.
58 Prozent der Teilnehmenden gaben danach an, dass die KI „den Großteil des Denkens“ übernommen habe – besonders bei Planungs- und Sequenzaufgaben. Diese Personen berichteten von geringerem Vertrauen in ihr eigenes unabhängiges Denken, einem schwächeren Gefühl der geistigen Eigentümerschaft und einem Trade-off zwischen Schnelligkeit und Tiefe des Denkens. Männer zeigten eine höhere Abhängigkeit von KI als Frauen.
Wer die KI-Vorschläge hingegen aktiv hinterfragte, abänderte oder ablehnte, berichtete von deutlich höherem Selbstvertrauen und stärkerem Gefühl der Urheberschaft, so die Hauptautorin Sarah Baldeo, MBA, Doktorandin an der Middlesex University in England.
„Das Problem ist nicht die Nutzung von KI an sich, sondern das passive Akzeptieren ihrer Vorschläge“, erklärte Baldeo. „Teilnehmer, die die KI nutzten, aber gleichzeitig kritisch mitdachten und die Kontrolle behielten, fühlten sich deutlich sicherer in ihrem eigenen Urteilsvermögen.“
Die Studie, die in der Fachzeitschrift Technology, Mind, and Behavior veröffentlicht wurde, ist korrelativ und kann keine Kausalität beweisen. Die Autorin fordert, KI-Programme so zu gestalten, dass sie Nutzer aktiv zum Mitdenken auffordern – etwa durch Aufforderungen, eigene Alternativen zu entwickeln oder Annahmen zu hinterfragen.
Baldeo gibt folgende praktische Empfehlungen:
- Zuerst selbst versuchen, das Problem zu lösen, bevor man die KI fragt.
- Prompts mindestens zwei- bis dreimal verfeinern, um bessere Ergebnisse und eigene kognitive Beteiligung zu fördern.
- Mindestens zwei bis drei Tage pro Woche komplett auf KI-Nutzung im Arbeitsalltag verzichten, um „intellektuelles Nivellieren“ und eine Angleichung der eigenen Sprache an KI-Stil zu vermeiden.
„Die langfristige Gefahr besteht nicht darin, dass KI die Menschen dümmer macht, sondern dass manche Nutzer sich weniger tiefgehend mit kognitiver Arbeit auseinandersetzen und dadurch weniger originelles Denken produzieren“, sagte Baldeo. „Deshalb ist die Unterscheidung zwischen hilfreicher KI-Unterstützung und schädlicher Überabhängigkeit so wichtig.“
Die Studie trägt den Titel „Generative Artificial Intelligence Reliance and Executive Function Attenuation: Behavioral Evidence of Cognitive Offload in High-Use Adults“ und wurde am 16. April 2026 online veröffentlicht.
