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Kognitives Geschwindigkeitstraining senkt Demenzrisiko um 20 Jahre

Baltimore. Erwachsene ab 65 Jahren, die fünf bis sechs Wochen computerbasiertes kognitives Schnelligkeitstraining absolviert haben, weisen bis zu zwei Jahrzehnte später ein signifikant geringeres Risiko für eine Demenzdiagnose auf. Das zeigt eine Langzeit-Folgestudie der ACTIVE-Studie (Advanced Cognitive Training for Independent and Vital Elderly), die heute in Alzheimer’s & Dementia: Translational Research & Clinical Interventions veröffentlicht wurde.

In der randomisierten Studie nahmen 1998–1999 insgesamt 2.802 ältere Erwachsene teil. Sie wurden drei Trainingsgruppen (Gedächtnis, Schlussfolgern, Verarbeitungsgeschwindigkeit) oder einer Kontrollgruppe ohne Training zugeteilt. Das Schnelligkeitstraining – adaptiv und mit geteilter Aufmerksamkeit – half, visuelle Informationen schnell zu verarbeiten und komplexe Aufgaben in kürzerer Zeit zu bewältigen. Die Hälfte der Trainierten erhielt zudem Booster-Sitzungen nach 11 und 35 Monaten.

In der 20-jährigen Nachbeobachtung (Medicare-Daten von 2.021 Teilnehmern) zeigte sich:

  • Bei 105 von 264 Teilnehmern (40 %) der Schnelligkeitsgruppe mit Boostern trat Demenz auf – 25 % weniger als in der Kontrollgruppe (49 %).
  • Nur das Schnelligkeitstraining mit Boostern erreichte statistische Signifikanz.
  • Gedächtnis- und Schlussfolgerungstraining zeigten keinen vergleichbaren Langzeiteffekt.

„Dass ein vergleichsweise kurzes, nicht-medikamentöses Training zwei Jahrzehnte später mit geringerem Demenzrisiko verbunden ist, ist bemerkenswert“, sagt Hauptautorin Marilyn Albert, Direktorin des Alzheimer’s Disease Research Center an Johns Hopkins Medicine. Selbst kleine Verzögerungen beim Demenzbeginn könnten enorme Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit und die Kosten haben.

Die Forscher vermuten, dass das adaptive Schnelligkeitstraining implizites Lernen fördert und neuronale Verbindungen stärkt – anders als explizites Lernen bei Gedächtnis- und Schlussfolgerungstraining. Weitere Studien sollen die zugrunde liegenden Mechanismen klären.

Die ACTIVE-Studie ist die größte randomisierte Untersuchung zu kognitivem Training bei Älteren in den USA. Frühere Analysen zeigten bereits Verbesserungen bei Alltagsfunktionen bis zu zehn Jahre nach dem Training sowie ein um 29 % geringeres Demenzrisiko zehn Jahre später bei der Schnelligkeitsgruppe.

Quelle:

  • Fachartikel: Alzheimer’s & Dementia: Translational Research & Clinical Interventions (2026), DOI nicht in der Meldung angegeben, aber über Johns Hopkins oder EurekAlert erreichbar.
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LabNews.AI
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