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Psychotherapeuten in Deutschland sehen Potenzial in digitalen Gesundheitsanwendungen

Psychologische Psychotherapeuten in Deutschland stehen digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) grundsätzlich positiv gegenüber, verschreiben sie jedoch selten. Das zeigt eine qualitative Interviewstudie mit 13 approbierten Psychotherapeuten, die am 9. Februar 2026 in Frontiers in Digital Health erschienen ist.

Seit 2020 können Psychotherapeuten in Deutschland CE-zertifizierte DiGA auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen. Bis Ende 2025 waren 30 der 58 gelisteten DiGA auf psychische Erkrankungen ausgerichtet. Dennoch erfolgen nur etwa 11 Prozent der Verordnungen durch psychologische Psychotherapeuten, während Hausärzte rund 50 Prozent und Psychiater 16 Prozent ausmachen.

Die Befragten gaben ein mittleres Wissensniveau über DiGA an, das hauptsächlich aus kollegialem Austausch und persönlichem Interesse stammt. Viele wünschen sich mehr Informationen zu Evidenzgrundlage, Datenschutz, Verordnungsrichtlinien und praktischen Anwendungsfragen. Die bevorzugten Informationsquellen und -kanäle variierten stark – von kollegialem Austausch über Online-Workshops bis hin zu Fachmedien.

Als Vorteile nannten die Teilnehmenden die Überbrückung von Wartezeiten, die Unterstützung laufender Therapien und die Verbesserung der Nachsorge. Subjektiv wahrgenommene Hürden umfassen das Fehlen etablierter Verordnungsgewohnheiten – im Gegensatz zu Ärzten –, Skepsis hinsichtlich der Krisenintervention bei alleiniger DiGA-Nutzung sowie organisatorische und technische Barrieren.

Die Studie unter Leitung von Karin Panitz vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hebt hervor, dass trotz positiver Einstellung die fehlende Routine die breite Anwendung behindert. Mehr Wissen über DiGA könnte die Verordnungsrate steigern. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für weitere Untersuchungen zu maßgeschneiderten Informationsstrategien und deren Einfluss auf tatsächliche Verordnungen.

Die qualitative Arbeit basiert auf semi-strukturierten Online-Interviews im Juli und August 2024. Die Teilnehmer waren im Mittel 38 Jahre alt, knapp 70 Prozent weiblich und hatten durchschnittlich elf Jahre Berufserfahrung. Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und von der Ethikkommission der Medizinischen Fakultät Düsseldorf genehmigt.

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https://doi.org/10.3389/fdgth.2026.1656614

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LabNews.AI
The Editors in Chief of labnews.ai are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists.More details on X-Press Journalistenbüro GbRFind out more abot their books on Bestsellerwerkstatt.More Info on Wikipedia:https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollbornhttps://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu