Das US-Militär nutzt im laufenden Krieg gegen den Iran erstmals generative KI in großem Umfang für die Echtzeit-Zielauswahl und Angriffsplanung. Das Modell Claude des Unternehmens Anthropic ist in das Maven Smart System des Rüstungsdienstleisters Palantir integriert.
Das System analysiert klassifizierte Echtzeitdaten aus Satelliten, Drohnen, Überwachungssystemen und Geheimdienstquellen. Laut Berichten der Washington Post und des Guardian schlug Maven am ersten Tag der Operation rund 1.000 priorisierte Ziele vor, lieferte präzise Koordinaten und empfahl teilweise Bewaffnung unter Berücksichtigung von Beständen und bisheriger Trefferquoten. Allein in den ersten 24 Stunden wurden etwa 1.000 Ziele angegriffen. Die Operationen erfolgten koordiniert mit israelischen Streitkräften.
Experten sprechen von „Decision Compression“: KI verkürzt die Planungszeit komplexer Angriffe von Tagen oder Wochen auf Minuten. Paul Scharre vom Center for a New American Security erklärte, die KI ermögliche Zielpaket-Entwicklung in „Maschinengeschwindigkeit“. Kritiker warnen vor „Cognitive Off-Loading“: Entscheider könnten sich von den Konsequenzen entkoppelt fühlen, weil die Denkarbeit maschinell erledigt wird.
Paradox: Die Trump-Regierung hatte Anthropic nur Stunden vor Kriegsbeginn von Regierungssystemen verbannt. Grund war die Weigerung des Unternehmens, Technologie für vollautonome Waffen oder Massenüberwachung von US-Bürgern freizugeben. Für den Übergang gilt eine Sechsmonatsfrist. Das Pentagon nutzt Claude dennoch weiter, weil es nach Einschätzung von Kommandeuren unverzichtbar geworden ist. Laut Washington Post würde die Regierung im Ernstfall Zwangsmaßnahmen ergreifen, um die Nutzung bis zu einem Ersatzsystem zu sichern.
Stand Mai 2025 arbeiteten bereits über 20.000 US-Militärangehörige mit Maven. Eine Studie der Georgetown University zeigte, dass eine Artillerieeinheit mit 20 Personen dank des Systems die Arbeit von etwa 2.000 Mitarbeitern leisten kann. OpenAI hat vergangene Woche einen eigenen Vertrag mit dem Pentagon unterzeichnet.
(Quelle: The Guardian, Washington Post, Center for a New American Security, Georgetown University, THE DECODER, 4. März 2026)
