Eine neue Studie der Allianz der Chancen diagnostiziert ein strukturelles Missverhältnis zwischen hohen Technologieinvestitionen und mangelndem Kompetenzaufbau in deutschen Unternehmen. Während 91 Prozent der befragten Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI) als geschäftskritisch einstufen und 82 Prozent höhere Investitionen planen, qualifizieren nur 25 Prozent ihre Belegschaft systematisch und substanziell weiter. Die Untersuchung „Corporate AI Learning“, durchgeführt von der Amadeus Fire Group im Auftrag der Allianz der Chancen, wurde am 9. März 2026 im Rahmen eines Netzwerktreffens mit über 100 Personalvorständen und HR-Verantwortlichen in Berlin vorgestellt.
Die Allianz der Chancen ist eine branchenübergreifende Initiative führender Unternehmen, die Impulse für Wettbewerbsfähigkeit und moderne Arbeitswelten setzt. Die Studie basiert auf KI-gestützten Tiefeninterviews mit HR-Verantwortlichen aus Mitgliedsunternehmen unterschiedlicher Branchen und Größenklassen.
Rund 80 Prozent der Unternehmen können die Wirkung ihrer Qualifizierungsmaßnahmen nicht belastbar messen. Nur etwa 20 Prozent der Berufstätigen in Deutschland haben bisher eine KI-Schulung im Unternehmen erhalten; 70 Prozent berichten von keinem entsprechenden Angebot. Viele Initiativen verbleiben im Pilotstatus, es fehlen verbindliche Kompetenzmodelle, ausreichende Lernzeit und systematische Erfolgsmessung.
„Wir investieren Milliarden in KI-Technologie – aber ohne messbare und skalierbare Kompetenzstrategie bleiben Produktivitätseffekte Zufall“, erklärte Monika Wiederhold, Vorstand der Amadeus Fire Group und verantwortlich für Corporate AI Learning in der Allianz der Chancen. „Fehlende Qualifizierung gefährdet die Wettbewerbsdynamik des Standorts Deutschland.“
Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei der KI-Nutzung zurück: 2025 nutzten nur 26 Prozent der Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten KI-Technologien (bei Großunternehmen 57 Prozent). Mit dem Übergang von Pilotprojekten zur breiten Implementierung generativer und autonomer KI-Systeme steigen die Anforderungen an die Belegschaften erheblich – Mitarbeitende müssen KI-Anwendungen steuern, bewerten und in Prozesse integrieren.
Die Studie richtet an Politik und Verwaltung vier zentrale Handlungsfelder:
- Rechtssichere Experimentierräume für KI-Anwendungen
- Verbindliche Integration von KI-Kompetenzen in Aus- und Weiterbildung
- Steuerliche Anreize sowie kofinanzierte Programme, insbesondere für den Mittelstand
- Beschleunigte Verfahren für risikoarme KI-Learning-Anwendungen
Über die Problemanalyse hinaus legt die Untersuchung einen umfassenden Praxisleitfaden für „Corporate AI Learning“ vor. Er dient als Bauplan für die strategische Verankerung und Operationalisierung von KI-Qualifizierung. Ausgangspunkt ist die Priorisierung geschäftsrelevanter Prozesse und Rollen, gefolgt von rollenspezifischen Lernpfaden, Führungsverankerung, Governance und Integration von KI-Tools in den Arbeitsalltag. Besonderes Gewicht liegt auf der Wirkungsmessung: Nutzung und konkrete Zeitgewinne müssen systematisch dokumentiert werden, um einen belastbaren Business Case zu schaffen.
Methodisch setzte die Amadeus Fire Group auf einen „Agentic Action Research“-Ansatz: Ein KI-Agent führte adaptive Tiefeninterviews, die Ergebnisse wurden durch Fach- und Wissenschaftsexperten validiert („Human-in-the-Scientific-Loop“) und mit internationalen Adoptionsdaten abgeglichen. Zum Einsatz kam die Technologie der Amadeus Fire-Tochter eduBITES.
Die vollständigen Studienergebnisse inklusive Positionspapier und Praxisleitfaden sind online verfügbar.
