Mehr als 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung gibt es in der Labormedizin weiterhin unterschiedliche Maßeinheiten in Ost- und Westdeutschland. Während in den ostdeutschen Bundesländern vorwiegend SI-Einheiten (z. B. mmol/l) verwendet werden, sind in westdeutschen Einrichtungen häufig konventionelle Einheiten (z. B. mg/dl) üblich. In Grenzregionen und Berlin herrscht oft eine Mischung.
Die Arbeitsgruppe „Einheit bei den Einheiten“ der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) hat in einem Positionspapier in Clinical Chemistry and Laboratory Medicine (CCLM, online 18. März 2026) die Risiken dieser Uneinheitlichkeit dargelegt und eine bundesweite Standardisierung auf Basis internationaler Empfehlungen gefordert.
Uneinheitliche Einheiten bergen erhebliche Patientenrisiken. Laborwerte werden häufig ohne Angabe der Einheit kommuniziert. So kann ein Glukosewert von „20“ entweder eine schwere Hypoglykämie (20 mg/dl ≈ 1,1 mmol/l) oder eine schwere Hyperglykämie (20 mmol/l ≈ 360 mg/dl) bedeuten. Ähnliche Verwechslungsgefahren bestehen bei Hämoglobin, CRP oder D-Dimer. Dies kann zu Fehlbehandlungen führen – besonders bei der mündlichen oder digitalen Weitergabe von Befunden.
Die Autoren um Ralf Junker betonen, dass eine Standardisierung die Patientensicherheit erhöht, die Kommunikation zwischen Ärzten sicherer macht und die semantische Interoperabilität in der digitalen Medizin (elektronische Patientenakte, LOINC, SNOMED-CT) ermöglicht. Weltweit hat sich auf nationaler Ebene weitgehend die einheitliche Verwendung von Einheiten durchgesetzt – mit Ausnahme der USA.
Die DGKL-Arbeitsgruppe schlägt konkrete Kriterien für die Auswahl von Einheiten vor und legt in Tabellen eine Empfehlung für die bundesweite Nutzung vor, die sich im Wesentlichen an internationalen Standards (IFCC, IUPAC, EFLM) orientiert. Der Vorschlag umfasst unter anderem mmol/l für Glukose, mmol/l für Hämoglobin und mg/l für CRP.
Die Autoren laden zu Rückmeldungen ein, um eine gemeinsame Empfehlung an die Bundesärztekammer zu erarbeiten. Eine bundesweite Vereinheitlichung sei nicht nur aus Gründen der Patientensicherheit, sondern auch für die Digitalisierung der Labormedizin unverzichtbar.
Das Positionspapier ist unter dem DOI 10.1515/cclm-2026-0075 online verfügbar.
