Angesichts steigender Kosten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fordert der Hausärztinnen- und Hausärzteverband die Kassen auf, stärker bei den eigenen Verwaltungskosten zu sparen statt ausschließlich in der Versorgung. Der Bundesvorsitzende Markus Blumenthal-Beier kritisierte, dass die Beiträge der Versicherten zunehmend für die Finanzierung einer Vielzahl von Kassen verwendet werden, statt die ambulante hausärztliche Versorgung zu sichern.
Kritik an Verwaltungskosten und Strukturen
Blumenthal-Beier regte an, die Mitglieder der Kassen direkt zu fragen, wofür sie ihre Beiträge lieber ausgeben: für den Erhalt von Hausarztpraxen oder für die Finanzierung von derzeit 93 Krankenkassen. Mittelfristig müssten die Verwaltungskosten der Kassen dringend halbiert werden. Die Kassen sollten den Rotstift bei sich selbst ansetzen, statt fortlaufend bei der Versorgung der Versicherten zu sparen.
Ähnlich äußerte sich der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek. Er empfahl den Kassen, von sich aus Synergien zu nutzen, Kooperationen auszubauen und Zusammenschlüsse voranzutreiben, bevor der Gesetzgeber eingreifen müsse.
Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gesunken: 1970 gab es noch 1.815 Kassen, zur Jahrtausendwende 420 und aktuell 93.
Hintergrund der Finanzdebatte
Die gesetzlichen Krankenkassen hatten im vergangenen Jahr trotz Beitragserhöhungen einen Überschuss erzielt, doch die Ausgaben stiegen deutlich stärker als die Einnahmen. Kostentreiber sind vor allem Klinikbehandlungen, Arzneimittel und Praxisleistungen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat ein Expertengremium eingesetzt, das bis Ende März erste Vorschläge zur Stabilisierung der GKV vorlegen soll. Bis Ende des Jahres sind weitergehende Reformvorschläge geplant. Für 2027 wird eine Finanzlücke im zweistelligen Milliardenbereich erwartet.
Fazit
Die Forderung der Hausärzte lenkt den Blick auf die Verwaltungsstrukturen der gesetzlichen Krankenversicherung. Während die Versorgung vor Ort unter Druck gerät, sehen Vertreter der Ärzteschaft und der Politik Potenzial für Einsparungen durch effizientere Kassenstrukturen. Das laufende Expertengremium soll nun Wege aufzeigen, wie die GKV-Finanzen langfristig stabilisiert werden können.
