Die aktualisierte Cholesterin-Leitlinie von American College of Cardiology und American Heart Association lenkt erstmals den Fokus auf Lipoprotein(a) – kurz Lp(a) – als eigenständigen, weitgehend genetisch bedingten Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die neue Richtlinie empfiehlt eine einmalige Messung der Lp(a)-Werte bei allen Erwachsenen, um das individuelle Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall präziser einzuschätzen und frühzeitig gegenzusteuern.
Lp(a) ist ein cholesterinreiches Lipoprotein, dessen Konzentration im Blut zu einem großen Teil vererbt wird und durch Lebensstilmaßnahmen kaum beeinflussbar ist. Bereits ab einem Wert von 125 Nanomol pro Liter steigt das Risiko für atherosklerotische Erkrankungen um etwa 40 Prozent. Bei 250 Nanomol pro Liter verdoppelt sich das Risiko sogar. Damit gehört Lp(a) zu den stärksten unabhängigen Risikofaktoren neben klassischen Größen wie LDL-Cholesterin, Blutdruck oder Diabetes.
Die Leitlinie stuft erhöhte Lp(a)-Werte als sogenannten „Risk Enhancer“ ein. Bei Patienten mit grenzwertigem oder mittlerem Risiko kann die Lp(a)-Bestimmung zusammen mit anderen Zusatzuntersuchungen wie dem hsCRP-Wert oder dem Koronararterien-Kalzium-Score (CAC-Scan) die Therapieentscheidung entscheidend beeinflussen. So können Ärzte früher und gezielter Statine, Ezetimib oder PCSK9-Hemmer einsetzen, um das Gesamtrisiko zu senken.
Besonders relevant ist die einmalige Lp(a)-Messung bei Personen mit familiärer Belastung, frühzeitiger Atherosklerose in der Familie oder bestimmten Vorerkrankungen wie rheumatoider Arthritis. Da die Lp(a)-Konzentration lebenslang relativ stabil bleibt, reicht eine einmalige Untersuchung in der Regel aus – ein entscheidender Unterschied zu LDL-Cholesterin, das regelmäßig kontrolliert werden muss.
Die neue Betonung von Lp(a) ist Teil der übergeordneten Strategie der Leitlinie, Prävention bereits in jüngeren Jahren und deutlich personalisierter zu betreiben. Experten von Johns Hopkins Medicine betonen, dass durch die frühzeitige Erkennung genetischer Risiken wie Lp(a) langfristig mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindert werden könnten. Die Richtlinie wird am 28. März 2026 auf der Jahrestagung des American College of Cardiology in New Orleans vorgestellt.
