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Clayman Thyroid Center: Keine überzeugenden Beweise für erhöhtes Risiko häufiger Schilddrüsenkrebsarten durch GLP-1-Medikamente

Das Clayman Thyroid Center, eines der volumenstärksten Schilddrüsenkrebs-Zentren der USA, hat am 10. Februar 2026 ein White Paper veröffentlicht, das die wissenschaftliche Evidenz zu einem möglichen Zusammenhang zwischen GLP-1-Rezeptor-Agonisten (Ozempic®, Wegovy®, Mounjaro® u. a.) und Schilddrüsenkrebs umfassend prüft. Das Fazit: Die besten verfügbaren Humanstudien zeigen keinen kausalen Zusammenhang mit den häufigsten Schilddrüsenkarzinomen (papillär, follikulär, onkozytär/Hürthle-Zell-Typ), die über 95 % aller Fälle ausmachen.

Die Sorge um ein Krebsrisiko wurde durch eine FDA-Boxed-Warning ausgelöst, die auf Rattenstudien zurückgeht: Dort entwickelten Tiere bei hohen Dosen C-Zell-Tumore (medulläres Schilddrüsenkarzinom). Diese Warnung gilt ausschließlich für das seltene medulläre Schilddrüsenkarzinom (MTC) und das Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2 (MEN2). Wichtige biologische Unterschiede zwischen Nagetieren und Menschen sowie umfangreiche Humanstudien (große Kohorten, Meta-Analysen, Real-World-Daten) konnten diesen Effekt beim Menschen nicht bestätigen.

Das White Paper „Do GLP-1 Weight-Loss Shots Like Ozempic and Mounjaro Really Raise Thyroid Cancer Risk? The Latest Facts Explained“ analysiert mechanistische Daten, klinische Studien, populationsbasierte Untersuchungen und klinische Erfahrung. Es betont:

  • Internationale Kohortenstudien und Meta-Analysen fanden keine erhöhte Inzidenz von Schilddrüsenkrebs bei GLP-1-Nutzern.
  • Beobachtete Assoziationen in manchen Studien lassen sich meist durch Detection Bias erklären: Patienten unter GLP-1-Therapie haben häufiger Arztbesuche, Bildgebung und Spezialistenkontakte – dadurch werden bereits bestehende Knoten oder kleine Karzinome eher entdeckt.
  • In der eigenen Hochvolumen-Praxis (ca. 2.000 Schilddrüsenkrebspatienten/Jahr) beobachtet das Zentrum keinen Anstieg medullärer Karzinome in Verbindung mit GLP-1-Medikamenten.

Für Patienten mit den häufigsten Schilddrüsenkarzinomen (papillär, follikulär, onkozytär) gibt es nach aktuellem Stand keine Evidenz, dass GLP-1-Medikamente diese Erkrankungen verursachen oder verschlechtern. Die Entscheidung zur Therapie sollte individuell unter Abwägung metabolischer Vorteile (Diabeteskontrolle, Gewichtsreduktion) und Gesundheitsziele getroffen werden.

Kontraindiziert bleiben GLP-1-Agonisten bei bekannter oder familiärer MTC oder MEN2 – dies entspricht der bestehenden FDA- und EMA-Warnung.

Das Zentrum warnt vor vereinfachenden Schlagzeilen und Social-Media-Beiträgen, die Unterschiede zwischen Krebsarten verwischen und unnötige Ängste schüren können. Patienten sollten evidenzbasierte Informationen nutzen und mit ihrem Arzt sprechen.

Das White Paper steht auf der Website des Clayman Thyroid Center zur Verfügung und richtet sich an Ärzte, Patienten und Medien.

Das Clayman Thyroid Center in Tampa (Florida) gilt als eines der erfahrensten Zentren weltweit für Schilddrüsenchirurgie und -krebstherapie und führt jährlich etwa 2.000 Fälle durch.

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LabNews.AI
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