Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) warnt vor wachsenden geopolitischen Risiken durch die starke Abhängigkeit der Labormedizin von Importen aus China. DGKL-Vorstand Jan Wolter sieht die geplante neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) als zusätzlichen Beschleuniger: Vergütungseinbußen zwingen Labore zu weiteren Kosteneinsparungen – vor allem bei Reagenzien, Verbrauchsmaterialien und Geräten.
Bereits heute stammen große Teile kritischer Laborprodukte aus China. Lieferkettenstörungen, Exportbeschränkungen oder politische Spannungen könnten die Versorgung mit unverzichtbaren Diagnostika binnen Tagen zusammenbrechen lassen. Die Labormedizin gilt jedoch als kritische Infrastruktur: Störungen hätten unmittelbare Auswirkungen auf Krankenhausversorgung, Krebsdiagnostik, Infektionsüberwachung und Notfallmedizin.
Mit nur rund 1.200 Labormedizinern unter 437.000 berufstätigen Ärzten findet das Fach in der Politik zu wenig Gehör. Wolter fordert eine strategische Unabhängigkeit: Förderung heimischer Produktion, Diversifizierung der Lieferquellen und eine grundlegende Reform des Vergütungssystems. Andernfalls drohten nicht nur Qualitätsrisiken und Preisanstiege, sondern auch Einbußen bei Forschung, Lehre und Nachwuchsgewinnung.
Der DGKL Vorstand sieht in der einseitigen Abhängigkeit von autoritären Lieferländern ein systemisches Sicherheitsrisiko für das gesamte Gesundheitswesen.
