Der Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran beeinträchtigt zunehmend auch die Labormedizin in Deutschland. Gestörte globale Lieferketten, steigende Energiekosten und eine verschärfte Sicherheitslage könnten zu Engpässen bei Reagenzien, Geräten und Verbrauchsmaterialien führen. Das erklärte Jan Wolter, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Labormedizin (DGKL), in einem Interview mit medlabportal.de.
Der Konflikt hat den Nahen Osten als wichtigen Handels-Hub weitgehend lahmgelegt. Die Straße von Hormus ist für den Schiffsverkehr weitgehend blockiert, und Reedereien meiden zunehmend Routen durch das Rote Meer. Dadurch entstehen massive Verzögerungen und Kostensteigerungen für den globalen Transport – auch für pharmazeutische und diagnostische Produkte. Zwar besteht keine direkte Abhängigkeit von Golf-Staaten für zentrale Labordiagnostik-Produkte, doch indirekte Effekte durch höhere Energiepreise und allgemeine Lieferkettenstörungen sind bereits spürbar. Wolter warnte vor potenziellen Sabotageakten oder Terroranschlägen auf kritische Infrastruktur, einschließlich Laboreinrichtungen, da der Iran über entsprechende Kapazitäten verfüge.
Besonders betroffen seien iranische Ärztinnen und Ärzte in Deutschland – etwa 3.000 hochqualifizierte Fachkräfte, viele davon Flüchtlinge vor dem Regime in Teheran. Sie seien eine unverzichtbare Stütze des Gesundheitssystems. Wolter appellierte eindringlich: „Wir dürfen jetzt keine Hetzjagd veranstalten und Iraner unter Generalverdacht stellen.“ Stattdessen müsse der Schutz vor Diskriminierung gewährleistet und die Cyberabwehr in Kliniken und Laboren dringend gestärkt werden. Schulungen durch Verfassungsschutz und Behörden seien sinnvoll, um die diagnostische Grundversorgung zu sichern.
Der DGKL-Vorstand skizzierte zwei Szenarien: Eine rasche Deeskalation in den kommenden Wochen oder eine langfristige Eskalation mit globalem Machtvakuum, anhaltenden Finanz- und Handelsstörungen sowie neuen Allianzen. Der Angriff selbst wird als klarer Bruch des Völkerrechts kritisiert. Wolter forderte Resilienzstrategien: Stärkung der Cyberabwehr, Diversifizierung von Lieferketten und humanitäre Brücken zur iranischen Bevölkerung nach einem möglichen Kriegsende.
Die Labormedizin müsse sich auf längere Unsicherheiten einstellen – von steigenden Betriebskosten über verzögerte Messgeräte-Lieferungen bis hin zu potenziellen Engpässen bei energieintensiven Prozessen. Die DGKL plane, die Mitglieder laufend zu informieren und auf mögliche Bedrohungslagen vorzubereiten.
(Quelle: medlabportal.de, „NACHGEFRAGT: Iran-Krieg. Quo Vadis Labormedizin?“, Interview mit Jan Wolter, veröffentlicht 5. März 2026; ergänzende Berichte internationaler Medien zu Lieferkettenstörungen, 4.–5. März 2026)
