Entgegen vieler Medienberichte über Jobverluste durch Künstliche Intelligenz gibt es laut einer neuen Studie der University of Maryland keine empirischen Hinweise auf einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsnachfrage. Im Gegenteil: Die Nachfrage nach Berufseinsteigern hat in der KI-Ära sogar zugenommen.
Die Analyse des UMD-LinkUp AI Maps Project wertete 155 Millionen Stellenanzeigen in den USA seit dem ersten Quartal 2018 aus. Die Ergebnisse zeigen:
- Der Anteil von Stellenanzeigen mit KI-Bezug ist von 0,28 Prozent im Jahr 2022 auf 1,13 Prozent im Jahr 2025 gestiegen.
- Die Gesamtzahl der Stellenanzeigen liegt weiterhin über dem Vorkrisenniveau.
- Es gibt keinen Zusammenhang zwischen stärkerer KI-Nutzung und sinkender Stellenanzahl.
- Der Anteil an Einstiegsjobs (Entry-Level) ist 2025 auf 12,6 Prozent aller Stellenanzeigen gestiegen – der höchste Wert der letzten acht Jahre (außerhalb des Nach-Pandemie-Booms).
„Viele aktuelle Geschichten über KI und Arbeitsplätze beruhen auf Anekdoten und kleinen Stichproben“, sagte Professor Anil K. Gupta von der Robert H. Smith School of Business der University of Maryland. „Sobald man die gesamtwirtschaftlichen Daten betrachtet, ergibt sich ein völlig anderes Bild. KI schrumpft den Arbeitsmarkt nicht – sie verändert ihn. Und sie scheint jungen, weniger erfahrenen Arbeitskräften sogar zu nutzen.“
Die Studie kritisiert sogenannte „Stammes-Erzählungen“ (tribal tales), die ohne ausreichende Daten behaupten, KI würde massenhaft Jobs vernichten. Stattdessen führen die Autoren aktuelle Entlassungen eher auf Nach-Pandemie-Überhiring, Kostensenkungsprogramme und branchenspezifische Anpassungen zurück.
Besonders auffällig: Branchen mit besonders starkem KI-Wachstum zeigen oft eine höhere, nicht niedrigere Gesamtnachfrage nach Arbeitskräften. Selbst im Software-Bereich, der als besonders gefährdet gilt, bleibt die Nachfrage nach Hochschulabsolventen stabil bis steigend.
Die Studie basiert auf einem nahezu vollständigen Datensatz aller Stellenanzeigen auf den Karriereseiten amerikanischer Arbeitgeber und gilt damit als eine der umfassendsten realen Messungen der Arbeitsnachfrage.
Die vollständige White Paper „Tribal Tales vs Hard Data“ ist auf der Website der University of Maryland verfügbar.
(Quelle: University of Maryland – Robert H. Smith School of Business)
