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Liquid Biopsy – Erklärung der Technologie (Stand 2026)

Was ist eine Liquid Biopsy?

Eine Liquid Biopsy (Flüssigbiopsie) ist eine minimalinvasive Untersuchungsmethode, bei der Tumorinformationen aus einer einfachen Blutprobe (oder Liquor cerebrospinalis) gewonnen werden – statt aus einer Gewebebiopsie. Statt Gewebe zu entnehmen, analysiert man zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA), zirkulierende Tumorzellen (CTCs), Exosomen oder andere tumorassoziierte Biomarker, die der Tumor permanent in die Körperflüssigkeiten abgibt.

Wie funktioniert eine Liquid Biopsy?

  1. Entnahme: Meist nur 10–20 ml Blut (bei ZNS-Tumoren auch Liquor via Lumbalpunktion).
  2. Isolation: Die sehr geringe Menge an tumor-spezifischer DNA oder RNA wird aus dem Plasma isoliert.
  3. Analyse: Moderne Verfahren wie Next-Generation Sequencing (NGS), digitale PCR (dPCR) oder spezielle Panel-Tests untersuchen die DNA auf:
  • Mutationen (z. B. EGFR, MYD88, TP53, CD79B)
  • Kopienzahlveränderungen
  • Fusionen
  • Tumor-Mutationslast (TMB)
  • Mikrosatelliteninstabilität (MSI)
  • Methylierungsmuster

Vorteile gegenüber klassischer Gewebebiopsie

VorteilErklärung
MinimalinvasivNur Blutabnahme statt Operation oder Punktion
WiederholbarKann beliebig oft durchgeführt werden (ideales Monitoring-Tool)
SchnellerErgebnisse oft innerhalb weniger Tage
Repräsentiert den gesamten TumorErfasst Heterogenität besser als eine einzelne Gewebeprobe
Geeignet bei schwer zugänglichen TumorenBesonders wertvoll bei Hirntumoren, Lungen- oder Bauchraumtumoren

Wichtige Anwendungen 2026

  1. Früherkennung (Multi-Cancer Early Detection, MCED)
    Tests wie Galleri (Grail) oder ähnliche europäische Ansätze suchen nach ctDNA-Signalen bei asymptomatischen Personen.
  2. Therapieauswahl (Companion Diagnostics)
    Nachweis von therapierbaren Mutationen (z. B. EGFR, KRAS, BRAF, MYD88 bei ZNS-Lymphom), ohne dass eine Gewebebiopsie möglich ist.
  3. Therapiemonitoring
    Messung der ctDNA-Menge (Variant Allele Frequency – VAF) im Verlauf: Sinkt die Menge → Therapie wirkt. Steigt sie → Rezidiv oder Resistenz.
  4. Resistenzdetektion
    Früherkennung von Resistenzmutationen (z. B. EGFR T790M oder C797S) noch vor klinischer Verschlechterung.
  5. Minimal Residual Disease (MRD)
    Sehr sensitive Nachweismethoden können nach Operation oder Chemotherapie noch winzige Tumorreste im Blut erkennen.

Aktuelle Technologien und Tests (2026)

  • Summit™ 2.0 (Belay Diagnostics): Liquor-basierte Liquid Biopsy speziell für ZNS-Tumoren und -Lymphome (488 Gene + CNV, Fusionen, TMB, MSI).
  • Guardant360 CDx und Guardant Reveal: Blut-basiert, FDA-zugelassen.
  • FoundationOne Liquid CDx
  • Grail Galleri (Multi-Cancer-Test)
  • Signatera (personalisierter MRD-Test)

Grenzen der Liquid Biopsy

  • Bei sehr kleinen oder nicht-shedding Tumoren kann die Menge an ctDNA zu gering sein (falsch-negativ).
  • Nicht alle Tumoren geben gleich viel DNA ins Blut ab (z. B. Hirntumoren schlechter als Lungen- oder Darmtumoren).
  • Technische und bioinformatische Herausforderungen bei der Unterscheidung zwischen Tumor-DNA und normaler zellfreier DNA.

Fazit
Die Liquid Biopsy hat die Onkologie in den letzten Jahren grundlegend verändert. Sie macht die Diagnostik und Therapieüberwachung schneller, schonender und in vielen Fällen präziser. Besonders bei Tumoren, die schwer zugänglich sind (wie ZNS-Tumoren) oder bei wiederholten Kontrollen ist sie heute bereits Standard oder zumindest wichtige Ergänzung zur klassischen Gewebebiopsie.

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LabNews.AI
The Editors in Chief of labnews.ai are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists.More details on X-Press Journalistenbüro GbRFind out more abot their books on Bestsellerwerkstatt.More Info on Wikipedia:https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollbornhttps://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu