Bei etwa jedem zweiten Mann über 60 Jahren wird bei Untersuchungen Prostatakrebs nachgewiesen – bei Männern über 80 sind es rund 70 Prozent. Das zeigt eine neue Studie der Norwegian University of Science and Technology (NTNU). Die Erkrankung ist eng mit dem Alter verbunden und wird oft als „natürlicher Teil des Älterwerdens“ beschrieben – die meisten Männer sterben mit, nicht an Prostatakrebs. Dennoch steigt die Zahl der Neudiagnosen durch häufigere PSA-Bluttests auf etwa 5.000 Fälle pro Jahr in Norwegen.
Ein KI-gestütztes Diagnosetool namens PROVIZ, entwickelt an der NTNU, soll Radiologen künftig helfen, MRT-Bilder der Prostata schneller und präziser auszuwerten. Es erkennt auffällige Bereiche und unterstützt bei der Entscheidung, ob eine Biopsie nötig ist und an welcher Stelle sie erfolgen sollte. Tests am St. Olavs Hospital in Trondheim zeigten vielversprechende Ergebnisse. Das Tool ist derzeit nur im Forschungsrahmen im Einsatz; eine Patentanmeldung und Kommerzialisierung werden vorbereitet.
Die Forschenden betonen, dass KI einfache und eindeutige Fälle übernehmen kann, um Ärzten mehr Zeit für komplexe Befunde zu geben. Gleichzeitig sei das Vertrauen der Patienten entscheidend: Eine Befragung von 18 Männern mit Prostatakrebs-Diagnose ergab, dass Patienten KI in niedrig-risikoreichen Situationen (z. B. Knochenbrüche) eher akzeptieren, bei Krebs jedoch auf eine Bestätigung durch erfahrene Ärzte bestehen. Drei Vertrauensdimensionen wurden identifiziert: grundlegendes Vertrauen ins Gesundheitssystem, persönliches Vertrauen zu Ärzten sowie mögliches Vertrauen in KI – immer unter der Bedingung menschlicher Überprüfung und Verantwortung.
Die Studie unterstreicht, dass Ärzte als Garanten für Sicherheit und Nachvollziehbarkeit unverzichtbar bleiben. Nur wenn sie die Funktionsweise der KI verstehen und deren Ergebnisse überprüfen können, wird das Tool in der klinischen Praxis akzeptiert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Qualitative Health Research veröffentlicht.
