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Skandal an der Medizinischen Hochschule Hannover: Vorwürfe der gefälschten Facharzturkunden

Sechs Ärzte der Unfallchirurgischen Klinik an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sollen sich ihre Facharzturkunden für Unfallchirurgie durch falsche Angaben erschlichen haben. Dies legen Recherchen der Wochenzeitung DIE ZEIT nahe, die in ihrer Ausgabe Nr. 6 vom 5. Februar 2026 veröffentlicht werden. Die Vorwürfe richten sich auch gegen den Direktor der Klinik, der mutmaßlich falsche Erfahrungsnachweise ausgestellt haben soll.

Nach den Angaben der ZEIT müssen Ärzte zur Zulassung zur Facharztprüfung mindestens 355 Operationen aus verschiedenen Bereichen nachweisen. Diese Zahlen dienen als Richtwerte, um die erworbenen Kompetenzen zu plausibilisieren. Eine Auswertung von OP-Berichten der MHH, die der Zeitung vorliegen, ergab jedoch, dass den betroffenen Ärzten Hunderte von Operationen fehlten. Trotzdem erhielten sie die Zulassung zur Prüfung und arbeiten weiterhin als Chirurgen, die meisten davon an der MHH.

Der Klinikdirektor soll den Assistenzärzten wiederholt unzutreffende Nachweise über ihre OP-Erfahrungen bescheinigt haben. Mit diesen Dokumenten meldeten sich die Mediziner bei der Ärztekammer zur Prüfung an. Ob die angeblich fehlende Qualifikation zu Behandlungsfehlern führte, bleibt ungeklärt. Die MHH betonte in einer Stellungnahme, es gebe keine Hinweise auf solche Fehler durch Fachärzte, die seit 2021 ihre Anerkennung erworben haben. Eine interne Prüfung durch die Stabsstelle habe dies bestätigt.

Die Hochschule wies zudem darauf hin, dass die Ärzte neben dem Direktor weitere Weiterbildungsbefugte hatten. Der Direktor allein könne nicht alle erforderlichen Operationen bescheinigt haben. Der betroffene Chefarzt dementierte die Vorwürfe auf Anfrage der ZEIT: „Nach meinem Kenntnisstand gab es keine unzutreffenden Weiterbildungsnachweise.“

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelte seit November 2025 in der Sache. Im Zuge der Untersuchung wurden Operationsberichte der vergangenen zehn Jahre, Arbeitsverträge, Fortbildungsnachweise und E-Mails beschlagnahmt. Ende Januar 2026 stellte die Behörde die Ermittlungen ein. Begründung: Falsche Angaben in den Nachweisen stellten keine Urkundenfälschung dar, sondern lediglich schriftliche Lügen, die strafrechtlich irrelevant seien. Dies schließe jedoch nicht aus, dass die Nachweise inhaltlich falsch waren.

Berufsrechtlich könnte die Ärztekammer Niedersachsen gegen die Beteiligten vorgehen. Die Kammer erklärte, Fälschungen führten grundsätzlich zum Entzug der Weiterbildungsermächtigung sowie zu Maßnahmen wie Rügen, Geldbußen bis zu 100.000 Euro oder der Feststellung der Unwürdigkeit zur Berufsausübung. Zu den konkreten Fällen wollte sich die Kammer nicht äußern. Die MHH teilte mit, dass kein Verfahren gegen den Chefarzt eingeleitet wurde.

Die Unfallchirurgische Klinik der MHH gilt als führendes Zentrum in Deutschland. 1970 wurde dort der erste unfallchirurgische Lehrstuhl eingerichtet. Die ZEIT-Recherchen basieren auf einer Vorabmeldung vom 4. Februar 2026. Der vollständige Artikel ist in der aktuellen Ausgabe oder auf www.zeit.de abrufbar.

Die MHH und die beteiligten Parteien haben die Vorwürfe zurückgewiesen und betonen die Integrität ihrer Ausbildungsprozesse. Weitere Entwicklungen in der Sache werden erwartet, insbesondere im berufsrechtlichen Bereich. (Ende)

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LabNews.AI
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1 Gedanke zu „Skandal an der Medizinischen Hochschule Hannover: Vorwürfe der gefälschten Facharzturkunden“

  1. Die im Artikel beschriebenen Vorgänge waren für uns Anlass, eine unabhängige Rechercheplattform zu diesen Fällen aufzubauen.

    Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass die Untersuchungen der zuständigen Stellen auch von unabhängigen Akteuren wie der Presse begleitet und nachvollziehbar dokumentiert werden.

    Unter https://medwatch.observer werden die bekannten Abläufe und Stellungnahmen derzeit kommentiert und schrittweise dokumentiert.

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