Zum Inhalt springen

Sperrung der Straße von Hormuz: Schwere Bedrohung für die Produktion von KI-Chips

Der Konflikt im Nahen Osten und die anhaltende Blockade der Straße von Hormuz haben zu einem massiven Engpass beim Edelgas Helium geführt. Besonders dramatisch trifft dies die Produktion von KI-Chips (KI-Beschleunigern wie GPUs und High-Bandwidth-Memory). Experten warnen vor sinkenden Ausbeuten, steigenden Kosten und möglichen Verzögerungen beim Ausbau von KI-Rechenzentren weltweit.

Helium ist in der Halbleiterfertigung unverzichtbar – vor allem bei der Herstellung hochmoderner Chips auf 3-nm-, 5-nm- und darunter liegenden Knoten. Es wird als inertes Purge-Gas, Kühlmittel für Wafer und in EUV-Lithographie-Prozessen (Extreme Ultraviolet) eingesetzt. Ohne hochreines Helium steigen Defektraten, die Ausbeute (Yield) sinkt und Produktionslinien können zum Erliegen kommen. Die Halbleiterindustrie hat in den letzten Jahren die Medizintechnik als größten Helium-Verbraucher überholt – getrieben durch den KI-Boom.

Katar lieferte vor der Krise etwa ein Drittel des weltweiten Heliums. Iranische Angriffe auf das Ras Laffan Industrial City haben die Produktion weitgehend zum Stillstand gebracht. Die Sperrung der Straße von Hormuz verhindert zusätzlich den Export verbliebener Mengen. Dadurch fehlen plötzlich bis zu 35 % der globalen Versorgung. Spot-Preise für Helium sind bereits um 40 bis über 100 Prozent gestiegen.

Besonders betroffene KI-Chip-Segmente

  • High-Bandwidth-Memory (HBM): Samsung und SK Hynix produzieren den Großteil des Speichers, der in modernen KI-GPUs (z. B. Nvidia Blackwell, H100/H200, AMD MI300) unverzichtbar ist. Beide südkoreanischen Hersteller sind stark auf katarisches Helium angewiesen. Erste Rationierungen in südkoreanischen Fabs wurden bereits gemeldet.
  • Logik-Chips und Advanced Packaging: TSMC fertigt die Rechenkerne für Nvidia, AMD, Google und andere. CoWoS-Packaging – entscheidend für KI-Beschleuniger – war bereits vor der Krise ausverkauft. Helium-Mangel könnte hier zu weiteren Engpässen führen.
  • Gesamte KI-Supply-Chain: Von Nvidia-GPUs über Server-Hardware bis hin zu Trainings- und Inferenz-Chips. Analysten erwarten, dass Hersteller bei Knappheit hochmargige KI-Chips priorisieren und die Produktion günstiger Consumer-Chips zurückfahren.

Südkoreanische Unternehmen verfügen über strategische Reserven von bis zu sechs Monaten auf Lieferkettenebene, doch On-Site-Bestände sind deutlich geringer (teilweise nur wenige Wochen). TSMC meldet derzeit noch keine signifikanten Ausfälle dank besserer Diversifikation und Recycling-Raten (bis zu 90 % in modernen Fabs), beobachtet die Lage aber genau.

Zeitlicher Verlauf und mögliche Folgen

  • Kurzfristig (bis 2–4 Wochen): Viele Fabs können mit bestehenden Lagern und intensivem Recycling weiterarbeiten. Preise steigen jedoch spürbar. Erste Auswirkungen auf Tech-Zulieferketten sind bereits sichtbar.
  • Mittelfristig (ab 4–8 Wochen): Sinkende Yields bei advanced nodes, mögliche Produktionsdrosselungen. Memory-Preise (DRAM, HBM) könnten weiter stark anziehen – zusätzlich zum ohnehin hohen KI-bedingten Nachfragedruck.
  • Längerfristig (über 2–3 Monate): Verzögerungen bei der Auslieferung neuer KI-Server und GPUs. Der Ausbau von Rechenzentren für KI-Modelle der nächsten Generation könnte gebremst werden. Analysten sprechen von einem „Tsunami“, der sich langsam aufbaut.

Die Semiconductor Industry Association hatte bereits 2023 gewarnt, dass eine Helium-Störung „Schocks“ für die globale Chip-Produktion auslösen würde. Der aktuelle Bedarf der Halbleiterindustrie liegt bei etwa 24 % des weltweiten Heliums und soll bis 2030 auf 30 % oder mehr steigen.

Auswirkungen auf Deutschland und Europa

Deutschland und die EU sind indirekt betroffen über die globale Lieferkette. Automobilzulieferer, Maschinenbauer und Tech-Unternehmen (z. B. Infineon) könnten bei längeren Engpässen höhere Preise oder Verzögerungen bei KI-relevanten Komponenten spüren. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) und industrielle Gaslieferanten wie Linde und Air Liquide haben auf Allokationen und Preisanpassungen hingewiesen.

Gibt es Alternativen?

In vielen hochpräzisen Prozessen der EUV-Lithographie und Wafer-Kühlung gibt es keine praktikablen Substitute für hochreines Helium. Recycling wird maximiert, und Lieferanten versuchen, Quellen aus den USA, Australien oder neuen Projekten zu diversifizieren. Dennoch kann das katarische Volumen kurz- bis mittelfristig nicht vollständig ersetzt werden. Experten fordern langfristig mehr Investitionen in Recycling-Technologien und neue Gewinnungsanlagen.

Die Bundesregierung und EU-Institutionen stehen im Austausch mit der Industrie. Wie lange die Blockade der Straße von Hormuz anhält, ist unklar – jede weitere Woche verschärft den Druck auf die ohnehin angespannte KI-Chip-Versorgung.

Branchenvertreter raten zu Vorsicht, aber nicht zu Panik: Der KI-Boom hat die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen wie Helium deutlich gemacht. Für Endkunden könnten sich in den kommenden Monaten Verzögerungen bei neuen KI-Hardware-Produkten oder Preisanstiege bemerkbar machen, falls der Konflikt andauert.

(Quellen: Berichte von The New York Times, Reuters, CNBC, Scientific American, Semiconductor Industry Association sowie Aussagen von Helium-Experten wie Phil Kornbluth; Stand: 29. März 2026)

Autoren-Avatar
LabNews.AI
The Editors in Chief of labnews.ai are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists.More details on X-Press Journalistenbüro GbRFind out more abot their books on Bestsellerwerkstatt.More Info on Wikipedia:https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollbornhttps://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu