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Vitamin B3 (Niacin) als Ergänzung zur Glioblastom-Therapie

Glioblastom, der aggressivste Hirntumor bei Erwachsenen, gilt als eine der tödlichsten Krebsformen. Die Erkrankung betrifft weltweit jährlich Tausende und hat eine mediane Überlebenszeit von nur 12 bis 15 Monaten trotz multimodaler Therapie, die Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie mit Temozolomid umfasst. Seit über 20 Jahren gab es keine signifikanten Fortschritte in der Behandlung – die Rezidivrate liegt bei fast 100 Prozent. Die Tumorzellen sind hoch invasiv, infiltrieren gesundes Hirngewebe und entwickeln Resistenzen gegen Standardtherapien. Zudem unterdrückt das Glioblastom das lokale Immunsystem: Mikrogliazellen und Makrophagen, die normalerweise Tumorzellen bekämpfen, werden umprogrammiert und fördern stattdessen das Tumorwachstum.

Vor diesem Hintergrund haben Forscher der University of Calgary eine Phase-I/II-Studie initiiert, um zu prüfen, ob hochdosierte, kontrolliert freisetzende Niacin (Vitamin B3) als Ergänzung zur Standardtherapie die Immunantwort reaktivieren und das Fortschreiten verzögern kann. Die Idee basiert auf präklinischen Arbeiten aus dem Jahr 2020, publiziert in Science Translational Medicine: In Zellkulturen und Mausmodellen aktivierte Niacin kompromittierte Immunzellen (Monozyten, Makrophagen, Mikroglia), sodass diese antitumorale Effekte zeigten – etwa durch Produktion von Interferon-alpha14. In Mäusen mit intrakraniellen Tumoren verlängerte Niacin allein das Überleben; kombiniert mit Temozolomid war der Effekt noch stärker.

Die klinische Studie, geleitet von Onkologin Dr. Gloria Roldan Urgoiti und Neuroforscher Dr. Wee Yong (beide Hotchkiss Brain Institute und Arnie Charbonneau Cancer Institute), testete zunächst die maximale tolerierbare Dosis und dann den potenziellen Nutzen. Primäres Ziel war eine Verbesserung der progressionsfreien Überlebensrate (PFS) nach sechs Monaten um mindestens 20 Prozent gegenüber historischen Daten (ca. 54 Prozent). Bei den ersten 24 Patienten erreichten 82 Prozent diesen Meilenstein – eine Steigerung um 28 Prozent. Niacin zeigte systemische immunmodulatorische Effekte: Es verschob das Immunprofil hin zu einer antitumorösen Ausrichtung, mit erhöhter Infiltration von aktivierten Makrophagen in den Tumor.

Die Studie, publiziert im Journal of Neuro-Oncology (DOI: 10.1007/s11060-025-05351-z), umfasst derzeit 48 Patienten. Die finale Analyse ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant. Die Forscher warnen: Hochdosierte Vitamine wie Niacin sind toxisch und dürfen nur unter medizinischer Aufsicht verabreicht werden – mögliche Nebenwirkungen umfassen Leberschäden und Flush-Symptome.

Bezüglich der Rolle von KI bei der Entdeckung: In dieser Studie spielte KI keine direkte Rolle; die Erkenntnisse basieren auf klassischen Laborexperimenten und Tiermodellen. Allerdings gewinnt KI in der Glioblastom-Forschung zunehmend an Bedeutung: Algorithmen wie Deep Learning analysieren MRT-Bilder zur Früherkennung von Tumoren, prognostizieren Therapieansprechen oder simulieren Wirkstoffinteraktionen in Drug-Discovery-Plattformen. In verwandten Projekten, etwa zur Identifikation neuer Immunmodulatoren, hat KI virtuelle Screenings von Molekülbibliotheken beschleunigt – ein Ansatz, der künftig auch für Niacin-Analoga relevant werden könnte. Die Calgary-Studie unterstreicht den Bedarf an innovativen Methoden, um die Immunsuppression des Glioblastoms zu überwinden.

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LabNews.AI
The Editors in Chief of labnews.ai are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists.More details on X-Press Journalistenbüro GbRFind out more abot their books on Bestsellerwerkstatt.More Info on Wikipedia:https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollbornhttps://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu