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Volumetrische Herzkartierung: Durchbruch ermöglicht simultane 3D-Ansicht aller vier Herzkammern

Ein spanisch-internationales Forschungsteam hat ein neues nicht-invasives Kartierungssystem für das Herz entwickelt, das erstmals alle vier Herzkammern gleichzeitig in Echtzeit abbildet. Die Technologie, patentiert vom Spin-off-Unternehmen Corify Care und in den Labors des ITACA-Instituts der Universitat Politècnica de València (UPV) entstanden, wurde in Communications Medicine (Nature Portfolio) veröffentlicht und gilt als signifikanter Fortschritt in der Behandlung komplexer Herzrhythmusstörungen.

Bisherige elektrophysiologische Mapping-Systeme erfassen jeweils nur eine Herzkammer und erfordern oft Annahmen über nicht sichtbare Bereiche. Das ACORYS®-System von Corify Care überwindet diese Limitation durch eine volumetrische, globale Abbildung der gesamten Herzoberfläche inklusive Innenräume, Wände und Septum. Es liefert eine vollständige 3D-Ansicht der elektrischen Aktivität in nur einem Herzschlag und visualisiert Arrhythmieausbreitungen – auch durch die Herzwand hindurch und zwischen den Kammern.

Die Methode basiert auf einer Weiterentwicklung früherer Oberflächen-Kartierungen und integriert fortschrittliche mathematische Algorithmen, um die bisherigen Einschränkungen der inversen Lösung zu überwinden. Dadurch werden tiefliegende Schaltkreise und interkammerale Verbindungen sichtbar, die konventionelle Katheter-basierte Systeme häufig übersehen. Klinisch bedeutet dies potenziell schnellere, präzisere und weniger invasive Ablationen, kürzere Eingriffszeiten sowie eine höhere Erfolgsrate bei komplexen Arrhythmien wie persistierendem Vorhofflimmern oder ventrikulären Tachykardien.

Das System ist CE-zertifiziert und befindet sich derzeit im FDA-Zulassungsverfahren für den US-Markt. Es wird als kompatibel mit führenden Katheternavigationsplattformen entwickelt, um hybride Workflows im Elektrophysiologielabor zu ermöglichen. Weitere Forschungsarbeiten, unter anderem zur volumetrischen Analyse von Arrhythmien, sollen beim AF Symposium 2026 in Boston vorgestellt werden.

An der Validierungsstudie waren neben der UPV und Corify Care Experten des Hospital General Universitario Gregorio Marañón (Madrid), der Universitat Autònoma de Barcelona, des Hospital Clínic de Barcelona, des IDIBAPS, des Karlsruher Instituts für Technologie sowie des CIBERCV-Netzwerks beteiligt.

Objektiv betrachtet adressiert die Technologie eine echte Lücke in der interventionellen Elektrophysiologie: Die fragmentarische Sicht herkömmlicher Systeme führt oft zu längeren Prozeduren und höheren Rezidivraten. Eine simultane, globale Kartierung könnte den diagnostischen und therapeutischen Standard verändern, insbesondere bei Patienten mit struktureller Herzerkrankung oder multiplen Arrhythmiequellen. Ob die versprochenen Vorteile (reduzierte Prozedurdauer, bessere Outcomes) in großen randomisierten Studien bestätigt werden, bleibt abzuwarten. Die nicht-invasive Natur und die Echtzeitfähigkeit machen das Verfahren jedoch vielversprechend für eine breitere klinische Anwendung.

Die Publikation demonstriert nicht nur technische Machbarkeit, sondern unterstreicht auch den Wert enger Kooperation zwischen Ingenieurwissenschaften, Kardiologie und Industrie bei der Entwicklung patientennaher Innovationen.

Vicente-Puig, J. et al. Volumetric non-invasive cardiac mapping for accessible global arrhythmia characterisation. Commun Med 6, 13 (2026). https://doi.org/10.1038/s43856-025-01332-5.

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LabNews.AI
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