Stockholm – Somatische Mutationen tragen maßgeblich zu den Gefäßschäden bei Hutchinson-Gilford-Progerie-Syndrom (HGPS) bei. Sie verbinden DNA-Schäden mit zellulärem Stress, Verlust der Zellidentität und Zelltod. Das zeigt eine Studie des Karolinska Institutet, die in der Fachzeitschrift Genome Medicine veröffentlicht wurde (DOI: 10.1186/s13073-026-01719-6).
HGPS ist eine genetische Erkrankung, die zu vorzeitiger Alterung führt. Die meisten Betroffenen sterben bereits im Jugendalter an Herz-Kreislauf-Komplikationen. Die Forschenden analysierten mittels Einzelzell-RNA-Sequenzierung nahezu 9.000 Zellen aus der Aorta von Mäusen, die dieselbe Progerie-Mutation tragen wie menschliche Patienten. Im Mittelpunkt standen glatte Gefäßmuskelzellen, die Blutgefäßen Stabilität und Elastizität verleihen. Bei HGPS und auch bei normaler Alterung gehen diese Zellen verloren, wodurch die Gefäßwand geschwächt wird.
Die Analyse zeigte eine fortschreitende Funktionsstörung der glatten Muskelzellen, einen Rückgang ihrer Zahl, die Anhäufung somatischer Mutationen, erhöhten zellulären Stress und die Aktivierung von Genen der DNA-Schadensantwort. Zudem spielen Signale zwischen verschiedenen Zelltypen eine Rolle. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Behandlungen möglichst früh einsetzen müssen, bevor irreversible DNA-Schäden entstehen. Eine nachträgliche Gen-Editierung dürfte bestehende somatische Mutationen nicht rückgängig machen.
Erstautorin ist Lara Garcia Merino, Leiterin der Arbeit Professorin Maria Eriksson (beide Karolinska Institutet). Beteiligt waren weitere Forschende aus Schweden, Norwegen und Indien. Die Studie wurde unter anderem vom schwedischen Forschungsrat und dem Europäischen Forschungsrat gefördert. Ob die Befunde in gleicher Weise auf den Menschen übertragbar sind, muss noch geprüft werden. HGPS gilt zugleich als Modell für Prozesse der normalen Gefäßalterung.
