Der Longevity-Wahn: Die teure Illusion vom unendlichen Morgen
Es ist ein merkwürdiges Schauspiel der Gegenwart: Während die demografischen Kurven in den langlebigsten Ländern der Welt seit den 1990er-Jahren spürbar abflachen, wächst parallel dazu ein Industriezweig, der nichts Geringeres verspricht als die Überwindung der biologischen Uhr. Longevity – das Wort klingt nach Fortschritt, nach Selbstermächtigung, nach Silicon-Valley-Optimierung. In Wahrheit ist es vor allem eines: ein äußerst profitables Narrativ, das Hoffnung in Umsatz verwandelt. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Der globale Longevity-Markt wird für 2025 auf rund 27 bis 35 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2035 auf 67 Milliarden oder mehr anwachsen – je nach Definition und Quelle mit zweistelligen Wachstumsraten. Den größten Anteil halten Nutraceuticals und Nahrungsergänzungsmittel. Premium-Kliniken verlangen Jahresbeiträge zwischen 8.000 und 19.000 Dollar für umfassende Diagnostik, Biomarker-Panels und personalisierte „Protokolle“. Nordamerika dominiert den Markt, Verbraucher sind die treibende Kraft. Venture-Capital-Gelder fließen in Start-ups, die senolytische…

