Edinburgh – In England wird inzwischen jede achte Schwangere mit Gestationsdiabetes diagnostiziert. Die Zahl der Diagnosen stieg innerhalb von fünf Jahren um 60 Prozent – von rund acht Prozent der Schwangerschaften im Jahr 2018 auf mehr als zwölf Prozent im Jahr 2022. Das zeigt eine Analyse von NHS-Daten unter Leitung der University of Edinburgh, die in BMJ Medicine veröffentlicht wurde (DOI: 10.1136/bmjmed-2025-002412).
Die Forschenden werteten Daten von mehr als 2,3 Millionen Müttern und 2,8 Millionen Geburten an 184 Kliniken in England aus. Die stärksten Anstiege fanden sich bei asiatischen Frauen (rund 23 Prozent) und bei Frauen in den sozial am stärksten benachteiligten Gebieten (rund 14 Prozent). Gestationsdiabetes entsteht, wenn der Körper in der Schwangerschaft nicht genügend Insulin produziert. Er ist die häufigste Schwangerschaftskomplikation und erhöht das Risiko für Frühgeburten, Notfallkaiserschnitte sowie für zu große oder zu kleine Neugeborene. Langfristig steigt zudem das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Mutter und Kind.
Die Analyse zeigte deutliche Ungleichheiten: Schwarze Mütter hatten häufiger einen Notfallkaiserschnitt, Frauen in benachteiligten Gebieten häufiger Frühgeburten, asiatische Mütter häufiger untergewichtige Neugeborene. Bei ohnehin risikoreicheren Gruppen war eine Gestationsdiabetes-Diagnose mit einem zusätzlichen Anstieg des Frühgeburtsrisikos verbunden. Als wahrscheinliche Ursachen gelten steigendes mütterliches Alter, zunehmende Adipositas und verbesserte Datenerfassung. Änderungen der Screening-Praxis während der Corona-Pandemie beeinflussten die Trends nicht wesentlich.
Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an verstärkten Präventionsmaßnahmen nach der Geburt und an einer besseren Unterstützung von Frauen mit erhöhtem Risiko. Die Studie wurde von der British Heart Foundation gefördert.
