Ein bereits zugelassenes Medikament gegen chronische Verstopfung könnte bei Menschen mit Depressionen die Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistung verbessern. Das zeigt eine Studie der University of Birmingham.
Das Team um Dr. Angharad de Cates untersuchte den Wirkstoff Prucaloprid, einen selektiven Agonisten des Serotonin-5-HT4-Rezeptors. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 50 Teilnehmern, die eine Depression in der Vorgeschichte hatten und aktuell nicht mehr erkrankt waren, führte eine siebentägige Behandlung zu signifikanten Verbesserungen in Tests zur exekutiven Funktion, zum Kurz- und Langzeitgedächtnis sowie zur Aufmerksamkeit.
Die Probanden, die Prucaloprid einnahmen, zeigten im Vergleich zur Placebogruppe eine höhere Genauigkeit und schnellere Reaktionszeiten. Die Effekte traten bereits nach sieben bis zehn Tagen auf und waren mit einer besseren Verarbeitung von Belohnungsreizen im Gehirn assoziiert.
Professorin Susannah Murphy von der University of Oxford, die an der Studie beteiligt war, betonte, dass kognitive Beeinträchtigungen bei Depressionen häufig auch nach der Remission der Stimmungssymptome bestehen bleiben und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine gezielte Modulation des 5-HT4-Rezeptors einen neuen Ansatz zur Behandlung dieser kognitiven Defizite darstellen könnte.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Psychological Medicine veröffentlicht (DOI: 10.1017/S0033291726104450). Die Forscher sehen darin einen ersten Hinweis darauf, dass bereits zugelassene Medikamente aus anderen Indikationsgebieten für die Behandlung kognitiver Störungen bei psychischen Erkrankungen umgewidmet werden könnten. Weitere klinische Studien sind jedoch erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit zu bestätigen.
