Eine Studie aus Katar zeigt, dass die digitale Gesundheitskompetenz (Digital Health Literacy) bei arabischen Erwachsenen mit Diabetes, Bluthochdruck oder rheumatoider Arthritis insgesamt nur moderat ausgeprägt ist. Rund die Hälfte der Befragten erreichte einen hohen Wert auf der eHealth Literacy Scale. Besonders ältere Personen und Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau schnitten deutlich schlechter ab. Die Nutzung des Internets zur Suche nach Gesundheitsinformationen war der stärkste Prädiktor für eine hohe Kompetenz.
Contexto
Digitale Gesundheitskompetenz beschreibt die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen aus digitalen Quellen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden. Sie gilt als wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Selbstmanagement bei chronischen Erkrankungen. In Katar und weiteren Ländern der Region werden zunehmend digitale Gesundheitsangebote entwickelt. Bisher fehlten jedoch belastbare Daten zur digitalen Gesundheitskompetenz bei arabischsprachigen Patienten mit chronischen Erkrankungen.
Método
Die Forscher führten eine Querschnittsstudie an der Hamad Medical Corporation in Katar durch. Zwischen Juli 2023 und Februar 2025 wurden 405 arabische Erwachsene (Durchschnittsalter 53,8 Jahre, 69,6 % männlich) mit Diabetes, Bluthochdruck und/oder rheumatoider Arthritis in ambulanten Kliniken befragt. Die digitale Gesundheitskompetenz wurde mit der etablierten eHealth Literacy Scale (eHEALS) gemessen. Zusätzlich erfasst wurden soziodemografische Daten, Internetnutzung, Patientenaktivierung (PAM-12) und körperliche Aktivität. Als hohe digitale Gesundheitskompetenz galten Werte ab 27 Punkten auf der eHEALS-Skala.
Resultados
Der durchschnittliche eHEALS-Wert lag bei 24,9 von 40 möglichen Punkten. 53,1 % der Teilnehmer erreichten einen hohen Wert. In der multivariablen Analyse zeigten sich folgende unabhängige Einflussfaktoren:
- Personen ab 60 Jahren hatten eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit für eine hohe Kompetenz als unter 45-Jährige (adjustierte Odds Ratio: 0,18).
- Teilnehmer mit einem höheren akademischen Abschluss hatten eine fast vierfach höhere Chance im Vergleich zu Personen mit höchstens Hauptschulabschluss (aOR: 3,97).
- Die häufige Nutzung des Internets und insbesondere die gezielte Suche nach Gesundheitsinformationen im Internet waren sehr stark mit hoher digitaler Gesundheitskompetenz assoziiert (aOR bis 47,71).
- Höhere digitale Gesundheitskompetenz ging mit einer stärkeren Patientenaktivierung einher.
Significado para a prática
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die reine Verfügbarkeit digitaler Gesundheitsangebote nicht ausreicht. Besonders ältere Patienten, Personen mit mehreren Erkrankungen und Menschen mit geringerer formaler Bildung profitieren weniger von digitalen Tools. Die Autoren empfehlen gezielte Maßnahmen wie vereinfachte digitale Anwendungen, mehrsprachige (vor allem arabischsprachige) Inhalte und strukturierte Schulungsangebote im Rahmen der chronischen Versorgung.
Perspectiva
Die Studie liefert erstmals belastbare Daten zur digitalen Gesundheitskompetenz bei arabischen Patienten mit chronischen Erkrankungen in Katar. Sie unterstreicht die Notwendigkeit, digitale Gesundheitsstrategien mit Maßnahmen zur Förderung der Nutzerkompetenz zu verbinden. Weitere Untersuchungen in anderen Ländern der Region sowie Längsschnittstudien zur Auswirkung auf gesundheitliche Ergebnisse sind erforderlich.
FAQ
Was wurde untersucht?
Die Studie erfasste die digitale Gesundheitskompetenz bei arabischen Erwachsenen mit Diabetes, Bluthochdruck und/oder rheumatoider Arthritis in Katar und identifizierte Einflussfaktoren.
Wie hoch war die digitale Gesundheitskompetenz?
Der Durchschnittswert lag bei 24,9 von 40 Punkten. Etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer erreichte einen hohen Wert.
Wer hatte die größte Wahrscheinlichkeit für eine hohe Kompetenz?
Jüngere Personen, höher Gebildete sowie Menschen, die das Internet häufig und gezielt zur Suche nach Gesundheitsinformationen nutzen.
Welche praktischen Konsequenzen ergeben sich?
Die Forscher fordern vereinfachte digitale Angebote, arabischsprachige Inhalte und gezielte Schulungen, um die digitale Gesundheitskompetenz vor allem bei älteren und weniger gebildeten Patienten zu verbessern.
Quelle:
Zaghloul H, Ahdab F, Tag Z, Varghese S, Arabi B, Al-Ani M, et al. Understanding digital health literacy in the arab world: a study of arab adults with diabetes, hypertension, and rheumatoid arthritis residing in Qatar. Frontiers in Digital Health. 2026;8:1809014. doi:10.3389/fdgth.2026.1809014
