San Francisco – Die American Heart Association, das American College of Cardiology und weitere Fachgesellschaften haben die Cholesterin-Behandlungsleitlinien erstmals seit 2018 grundlegend überarbeitet. Die neuen Empfehlungen beruhen auf Daten von rund 6,6 Millionen Menschen und setzen auf frühere Screening-Tests, eine Behandlung bei niedrigeren Risikostufen und konkrete LDL-Zielwerte.
Ein erster Cholesterin-Test wird nun bereits im Grundschulalter zwischen etwa 9 und 11 Jahren als sinnvoll erachtet. Ziel ist es, die familiäre Hypercholesterinämie zu erkennen, eine erbliche Erkrankung, die etwa einen von 250 Menschen betrifft und bereits in der Kindheit zu Plaquebildung führen kann. Ab dem 19. Lebensjahr sollen regelmäßige Kontrollen alle fünf Jahre erfolgen.
Für die meisten Erwachsenen ändert sich vor allem, wer eine Behandlung angeboten bekommt. Die Leitlinien betrachten das Risiko nun über einen Zeitraum von 30 Jahren statt nur über zehn Jahre. Dadurch werden Patienten mit ungünstigen Lipidwerten früher als behandlungsbedürftig eingestuft und häufiger für eine Statin-Therapie vorgesehen. Als Risikorechner dient das aktualisierte PREVENT-Modell, das auch Nieren- und Stoffwechselgesundheit einbezieht.
Zudem kehren konkrete LDL-Zielwerte zurück. Für Risikopatienten – etwa nach Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie bei Diabetes oder Rauchen – gilt nun ein Zielwert von 55 mg/dl oder niedriger (bisher 70 mg/dl). Für Personen ohne erhöhtes Risiko liegt der Zielwert bei 100 mg/dl oder darunter.
Neu empfohlen wird außerdem ein einmaliger Test auf den Biomarker Lipoprotein(a) (Lp(a)). Erhöhte Werte erhöhen das Risiko für Entzündungen und Blutgerinnsel und lassen sich weder durch Lebensstilmaßnahmen noch durch Statine senken. Das Ergebnis kann die Risikoeinschätzung und die Behandlungsintensität beeinflussen.
Kardiovaskuläre Erkrankungen sind in den USA die häufigste Todesursache und verursachen jährlich rund 700.000 weitgehend vermeidbare Todesfälle. Die Grundlagen einer gesunden Lebensweise – ausgewogene Ernährung, Verzicht auf Rauchen, ausreichend Bewegung und Schlaf – bleiben laut den Leitlinien unverändert zentral.
