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Molekularer Klebstoff macht Krebsprotein zum Selbstzerstörer

Stanford – Forschende der Stanford Medicine haben ein zweiköpfiges Molekül entwickelt, das das krebsfördernde Protein BCL6 in einen Schalter für den Zelltod umwandelt. In Mäuseversuchen verschwanden aggressive Lymphom-Tumoren innerhalb von elf Tagen. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Cell. BCL6 treibt bei vielen B-Zell-Lymphomen das Wachstum an, indem es Gene für den programmierten Zelltod dauerhaft abschaltet. Das neue Molekül TCIP3 wirkt als „molekularer Klebstoff“: Eine Seite bindet an BCL6, die andere an die Proteine P300 oder CBP. Dadurch werden Acetyl-Markierungen angebracht, die die Gen-Abschaltung aufheben und zugleich den Zelltod aktiv fördern. In Zellkulturen tötete TCIP3 Lymphomzellen bereits in sehr geringen Konzentrationen. Bei Mäusen, denen menschliche Lymphomzellen implantiert worden waren, führte eine zweimal tägliche Behandlung binnen elf Tagen zum vollständigen Verschwinden der Tumoren. Kontrolltiere behielten ihre Tumoren. Anzeichen von Toxizität oder Entzündung traten nicht auf. Seniorautor Gerald Crabtree erklärte, man versuche,… 

Neue Antikörpertherapie gegen Krim-Kongo-Fieber vielversprechend

Riverside – US-Forscher haben Antikörper identifiziert, die Mäuse vor dem gefährlichen Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fieber (CCHFV) schützen. Die Antikörper richten sich gegen das Nukleokapsid-Protein des Virus und wirken nicht neutralisierend, sondern aktivieren das Immunsystem. Die Studie erschien am 21. August in Nature Communications (DOI: 10.1038/s41467-026-76702-1). Das Krim-Kongo-Virus wird vor allem durch Zecken übertragen und kann bis zu 40 Prozent der Infizierten töten. Bisher gibt es keine weit zugelassenen spezifischen Therapien oder Impfstoffe. Das Team um Scott Pegan von der University of California in Riverside zeigte, dass Antikörper, die an den Kopf- oder Stielbereich des Nukleokapsid-Proteins binden, Mäuse vor einer tödlichen Infektion schützen. Besonders wirksam war der Antikörper 9D5, der auch gegen verschiedene Virusstämme wirkte. Die Bindungsstellen sind über die Stämme hinweg weitgehend konserviert. Die Antikörper arbeiten über den TRIM21-Signalweg: Sie markieren infizierte Zellen oder freies Virusprotein und lösen so eine gezielte Immunantwort… 

Neuer Wirkstoff lässt Mäuse Fett verbrennen – ohne Muskelverlust

Berkeley – US-Forscher haben einen oralen Wirkstoff identifiziert, der in Mäuseversuchen Fettabbau fördert und zugleich Muskelmasse erhält. Die Substanz namens TOFA (5-Tetradecyloxy-2-furoic acid) blockiert die Bildung von Cholesterin und Triglyceriden und aktiviert gleichzeitig Gene, die den Fettstoffwechsel und die Energiegewinnung ankurbeln. Die Ergebnisse wurden am 21. August im Fachjournal Science Advances veröffentlicht (DOI: 10.1126/sciadv.aed3119). Anders als die derzeit weit verbreiteten GLP-1-Medikamente (wie Semaglutid oder Tirzepatid), die vor allem den Appetit dämpfen, greift TOFA am zweiten Hebel der Gewichtskontrolle an: dem Energieverbrauch. In den Versuchen verbrannten behandelte Mäuse bis zu 18 Prozent mehr Energie – ohne dass sich ihre körperliche Aktivität oder Körpertemperatur veränderte. Übergewichtige Tiere verloren vor allem Fettmasse, während die Magermasse weitgehend erhalten blieb. Zudem verbesserten sich Insulinsensitivität, Blutzuckerkontrolle und der Zustand der Fettleber. Die Kombination von TOFA mit GLP-1-Wirkstoffen erzielte stärkere Effekte auf Körpergewicht, Blutzucker, Insulinspiegel und Triglyceride… 

Wann übernimmt die künstliche Intelligenz die Labormedizin komplett?

Die Labormedizin ist bereits heute eine der am weitesten automatisierten medizinischen Disziplinen. Total-Laboratory-Automation-Systeme, digitale Pathologie und erste agentische KI-Anwendungen haben den Anteil menschlicher Routinearbeit erheblich reduziert. Dennoch bleibt die Frage, wann – oder ob – KI die Labormedizin „komplett“ übernehmen wird, untrennbar mit einem Bündel systemischer Risiken verbunden. Diese Risiken sind nicht lediglich technische Nebenerscheinungen, sondern strukturelle Limitierungen, die den Zeitpunkt und den Charakter einer möglichen Vollautomatisierung maßgeblich bestimmen. Gegenwärtiger Stand und technologische Trajektorie In der klinischen Chemie und Hämatologie erreichen viele Labore bereits hohe Automatisierungsgrade. In der digitalen Pathologie liegen mehrere FDA-510(k)-Clearances für Whole-Slide-Imaging-Systeme und assistierende KI-Algorithmen (z. B. Paige Prostate Detect) vor; diese Systeme sind jedoch ausdrücklich als Entscheidungsunterstützung und nicht als autonome Diagnosesysteme zugelassen. Agentische KI und robotische Probenlogistik befinden sich in der klinischen Routine noch im frühen Stadium. Die technische Entwicklung weist klar in Richtung höherer… 

Afrikanische Schweinepest in der Toskana: 638 Fälle bei Wildschweinen

Florenz – Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich in der Toskana weiter aus. Seit Jahresbeginn 2026 wurden 638 infizierte Wildschweine erfasst – der höchste Wert in Italien in diesem Jahr. Das Virus hat inzwischen auch zwei Schweinebetriebe erreicht. Die Epidemie begann in der Provinz Massa-Carrara und hat sich auf Lucca und Pistoia ausgeweitet. Betroffen sind ein Betrieb in Comano und einer in San Marcello Piteglio. Die ASP ist für Menschen ungefährlich, kann aber die Schweinehaltung schwer treffen. Es gibt weder eine wirksame Behandlung noch einen zugelassenen Impfstoff. Die Behörden haben die Seuche in die EU-Kategorie A eingestuft, was eine sofortige Tilgung vorschreibt. Dazu gehören das Töten betroffener Tiere sowie Einschränkungen bei Transporten und dem Handel mit Schweinen und Schweinefleisch. In der Toskana wurden territoriale Einsatzgruppen eingerichtet und Informationskampagnen gestartet. Susanna Cenni, Präsidentin von Anci Toscana, forderte eine bessere Koordination zwischen… 

FDA sucht Feedback zur Regulierung generativer KI in Medizinprodukten

Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein Diskussionspapier zu den Herausforderungen bei der Regulierung von Medizinprodukten mit generativer Künstlicher Intelligenz (GenAI) veröffentlicht und bittet um Stellungnahmen. Die Rückmeldungen sollen bis zum 19. Oktober 2026 eingereicht werden. Das Papier des Digital Health Center of Excellence im Center for Devices and Radiological Health (CDRH) dient ausschließlich der Diskussion und stellt weder einen Entwurf noch eine endgültige Leitlinie dar. Es schlägt keine Politikänderungen vor und kommuniziert keine konkreten regulatorischen Erwartungen. Zentrale Themen sind die Risikobewertung, die vor Markteinführung erforderliche Evaluation, das Postmarket-Monitoring sowie weitere Aspekte der Regulierung von GenAI-fähigen Medizinprodukten. Die Behörde betont, dass solche Geräte großes Potenzial für die Patientenversorgung bergen, zugleich aber im Vergleich zu herkömmlicher Software und klassischer KI besondere Risiken mit sich bringen können. Die FDA möchte mit dem Papier frühzeitig den Dialog mit externen Stakeholdern anstoßen, um… 

EbM-Netzwerk schreibt David-Sackett-Preis 2027 aus

Berlin – Das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk) hat den David-Sackett-Preis 2027 ausgeschrieben. Der mit 2.000 Euro dotierte Preis würdigt herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der evidenzbasierten Medizin und Gesundheitsversorgung. Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2026. Es handelt sich um die 19. Verleihung. Der Preis ist nach David Sackett (1924–2015) benannt, einem der Pioniere der evidenzbasierten Medizin und Ehrenmitglied des EbM-Netzwerks. Bewerben können sich Einzelpersonen oder Forschergruppen; Selbstnominierungen sind möglich, ebenso Vorschläge durch Mitglieder des Netzwerks. Die Jury bewertet Einreichungen unter anderem nach Innovation und Originalität, methodischer Qualität, praktischer Relevanz für die Versorgung in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, Kosten-Nutzen-Aspekten, Patientenbeteiligung sowie der Berücksichtigung von Faktoren wie Geschlecht und sozioökonomischem Status. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Jahrestagung des EbM-Netzwerks vom 10. bis 12. März 2027 in Halle (Saale) statt.

LabNews AI Flashpoint August 19th 2026

Fluorid im Trinkwasser während der Schwangerschaft mit niedrigeren Kognitions-Scores bei Kindern assoziiert New York/Columbia – Höhere Fluorid-Konzentrationen im öffentlichen Trinkwasser während der Schwangerschaft sind mit niedrigeren Werten bei Tests zur fluiden Kognition bei Kindern verbunden. Das zeigt eine Beobachtungsstudie des NIH-Programms Environmental influences on Child Health Outcomes (ECHO), veröffentlicht im American Journal of Epidemiology. Untersucht wurden 2514 Kinder, geboren zwischen 2006 und 2019. Die Fluorid-Exposition der Mütter wurde über öffentlich verfügbare Messungen der Trinkwasserversorgung und die Wohnadresse während der Schwangerschaft geschätzt. Die Kinder absolvierten zwischen dem 3. und 17. Lebensjahr kognitive Tests der NIH Toolbox. Der Zusammenhang zeigte sich erst ab etwa 675 Mikrogramm Fluorid pro Liter – nahe dem von der US Public Health Service empfohlenen Wert von 700 Mikrogramm pro Liter (0,7 mg/l). Oberhalb dieses Wertes war jede Erhöhung um 500 Mikrogramm pro Liter mit einem im Mittel… 

DeepCyte startet ersten Einzelzell-Atlas für Toxizitätsmechanismen

Wilmington/Kopenhagen – Das Techbio-Unternehmen DeepCyte hat den DeeTox Atlas™ vorgestellt, den ersten Einzelzell-metabolomischen Referenzatlas für Mechanismen der Arzneimitteltoxizität. Enterprise-Pilotprojekte mit globalen Pharmaunternehmen beginnen in den kommenden Monaten. Der Atlas basiert auf zwei unabhängigen Einzelzell-Metabolomik-Studien und umfasst rund 100 toxische Verbindungen, 300.000 Zellen und etwa 500 Metaboliten pro Zelle – mehr als 3.000 Einzelzellmessungen pro Verbindung über sechs biologische Replikate. Jede Verbindung ist einer kuratierten vierstufigen Hierarchie von Toxizitätsmechanismen zugeordnet, die an etablierte Adverse Outcome Pathways (AOPs) anknüpft. Statt für jede neue Substanz Labordaten zu generieren, trainiert DeepCyte ein Foundation-Modell, das Toxizitätsmechanismen auch für bislang ungemessene Verbindungen vorhersagen kann. Mit wachsendem Atlas soll die Plattform skalierbarer werden und die Abhängigkeit von Labortests verringern. Theodore Alexandrov, Mitgründer und CEO von DeepCyte, erklärte, der Atlas ermögliche es, subtile molekulare Muster zu erkennen, die in kleinen Zellsubpopulationen vorkommen und mit klassischen Methoden unsichtbar blieben.… 

ZEISS erhält FDA-Zulassung für cloudbasierte Software CLINIC 360

Jena – ZEISS Medical Technology hat die 510(k)-Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA für ZEISS CLINIC 360 erhalten. Die cloudbasierte und browsergestützte Softwarelösung fasst diagnostische und medizinische Daten zu einer umfassenden Patientenübersicht zusammen. Sie soll ab dem Frühherbst 2026 in den USA verfügbar sein. CLINIC 360 bündelt Informationen aus bildgebenden Geräten, elektronischen Patientenakten und Praxissystemen. Dazu gehören DICOM-fähige ZEISS-Geräte wie CIRRUS, CLARUS und HFA sowie Drittanbieter-Systeme. Die Software ermöglicht eine multimodale Sicht auf den Patienten, unterstützt die Bewertung des Krankheitsverlaufs und erleichtert Therapieentscheidungen. Zu den Funktionen zählen krankheitsbezogene Zusammenfassungen, interaktive Analysen und Kollaborationstools. Beispielsweise können Glaukom-Progressionen anhand farbcodierter Alarme und Trendanalysen von OCT-, Augeninnendruck- und Gesichtsfelddaten überwacht werden. Fälle und Berichte lassen sich sicher mit Kollegen teilen. Die Lösung basiert auf der ZEISS Health Data Platform und ist über Cloud oder Webbrowser zugänglich. Sie ergänzt das bestehende On-Premise-System ZEISS FORUM und wird…