Linnemann und der Untergang der Couch – ESSAY
Carsten Linnemann, der Volkswirt aus Paderborn, der noch vor einem Jahr selbst erklärte, als Gesundheitsminister wäre er „wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen“ und man solle den Schuster bei seinen Leisten lassen, sitzt seit dem 29. Juli 2026 am Schreibtisch im Bundesgesundheitsministerium. Er hat den Job übernommen, den Nina Warken freimachte, und er hat ihn übernommen mit dem klaren Auftrag, den eingeschlagenen Reformkurs fortzusetzen: Beitragssatzstabilisierung, Kostendeckel, weniger Krankenkassen, finanzierbare Versorgung. Genau dieser Kurs macht ihn – faktisch und politisch – zum Verantwortlichen für das, was die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als gravierende Verschlechterung der ambulanten Psychotherapie beschreiben. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, am 10. Juli 2026 von Bundestag und Bundesrat verabschiedet, überführt ab dem 1. Januar 2027 die bislang extrabudgetär vergüteten psychotherapeutischen Leistungen zurück in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung. Die Sonderstellung entfällt. Zuschläge zur Kurzzeittherapie und für Terminvermittlungen werden gestrichen, die Angemessenheitsprüfung des…

