Mehr als 500 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten haben am Dienstag in Berlin gegen geplante Kürzungen ihrer Leistungen und Honorare protestiert. Die Demonstration vor dem Deutschen Bundestag wurde von der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) gemeinsam mit knapp 30 weiteren Berufs- und Fachverbänden organisiert.
Die Verbände warnten vor längeren Wartezeiten und einer weiteren Verknappung von Therapieplätzen, obwohl der Bedarf an Psychotherapie steige. Seit April seien die Honorare um 4,5 Prozent gekürzt worden, weitere Einschnitte drohten mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz.
Die Kürzungen träfen eine Berufsgruppe, deren Vergütung bereits im unteren Bereich aller ambulanten Fachgruppen liege. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verdienten trotz Vollzeittätigkeit nur etwa halb so viel wie Hausärzte oder andere Facharztgruppen. Die ambulante Psychotherapie mache jedoch lediglich rund 0,7 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen aus.
Studien zeigten, dass jeder in Psychotherapie investierte Euro dreifach zurückkomme, weil Folgekosten wie Chronifizierung, Krankenhausaufenthalte, Arbeitsausfälle und Frühverrentungen vermieden würden. Dennoch führten die geplanten Einschränkungen dazu, dass weniger Leistungen angeboten werden könnten. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz betrage derzeit 14 Wochen, besonders betroffen seien Kinder, Jugendliche, ältere Menschen und Patienten in ländlichen Regionen.
Die Steigerung der Ausgaben für Psychotherapie resultiere nicht aus höheren Honoraren pro Stunde, sondern aus der deutlich gestiegenen Zahl behandelter Patienten. Diese sei von 4,61 Millionen im Jahr 2014 auf 7,24 Millionen zehn Jahre später angestiegen. Der wachsende Bedarf hänge unter anderem mit einer Enttabuisierung psychischer Erkrankungen und den Langzeitfolgen der Corona-Pandemie zusammen. Die bestehende Bedarfsplanung basiere jedoch noch weitgehend auf Daten aus dem Jahr 1998.
Zeitgleich zur Demonstration beriet der Petitionsausschuss des Bundestages über eine Petition mit mehr als 140.000 Unterschriften, die eine angemessene Vergütung und die Sicherstellung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung fordert.
Die DGPT vertritt als wissenschaftliche Fachgesellschaft und Berufsverband die Interessen von über 3.700 psychologischen und ärztlichen Mitgliedern.
