Miami (LabNews Media LLC) – Ein bislang unbekannter, geschlechtsspezifischer Immunmechanismus könnte künftig die Behandlung des aggressiven Hirntumors Glioblastom bei Frauen verbessern. Forschende des Sylvester Comprehensive Cancer Center der University of Miami haben nachgewiesen, dass der Neurotransmitter GABA in weiblichen Modellen die immunsuppressive Aktivität bestimmter myeloischer Suppressorzellen verstärkt – ein Effekt, der bei männlichen Modellen nicht auftritt.
In der Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Cancer veröffentlicht wurde, zeigten die Wissenschaftler um Defne Bayik, dass eine Blockade des GABA-Rezeptors die Überlebenszeit bei weiblichen Tiermodellen signifikant verlängerte, während männliche Modelle keinen Nutzen zeigten. Humanes Tumorgewebe von Frauen wies zudem höhere Konzentrationen von GABA und dessen Rezeptor auf als Proben von Männern.
Glioblastome treten bei Männern häufiger und aggressiver auf als bei Frauen. Die neuen Erkenntnisse erklären jedoch, warum Frauen trotz seltenerer Erkrankung dennoch von gezielten Therapien profitieren könnten. Die Forschenden betonen, dass Frauen etwa 40 Prozent der Glioblastom-Patientinnen ausmachen und bisherige Therapien oft nicht geschlechtsspezifisch angepasst sind.
„Wir haben ein wachsendes Verständnis dafür, dass Krebs bei Männern und Frauen nicht gleich wirkt“, sagte Defne Bayik. „Durch die Identifizierung dieser Unterschiede können wir Behandlungen besser auf beide Geschlechter abstimmen.“
Die Studie eröffnet neue Ansätze für personalisierte Immuntherapien bei Glioblastom und unterstreicht die Bedeutung geschlechtsspezifischer Forschung in der Onkologie.
