Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit dem Toxoplasma-Parasiten infiziert. Die Infektion kann zu okulärer Toxoplasmose führen und bleibende Sehschäden verursachen. Internationale Experten rufen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf, die Erkrankung offiziell als vernachlässigte Tropenkrankheit (NTD) anzuerkennen. Ein entsprechender Aufruf erschien in PLOS Neglected Tropical Diseases.
Globale Expertengruppe legt Positionspapier vor
Wissenschaftler unter Federführung von João Furtado von der Universität São Paulo und Justine Smith von der Flinders University haben Experten aus Amerika, Europa, Afrika und Asien zusammengebracht. Sie argumentieren, dass Toxoplasmose die Kriterien der WHO für eine NTD erfüllt. Die Anerkennung soll mehr Aufmerksamkeit, Forschungsmittel und Präventionsmaßnahmen ermöglichen.
Die Erkrankung wird oft als unvermeidbar betrachtet, sei aber durch bekannte Übertragungswege vermeidbar und kontrollierbar.
Hintergrund
Die Infektion erfolgt vor allem durch den Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch, kontaminierten Lebensmitteln oder Wasser sowie durch Kontakt mit Katzenkot. Bei Schwangeren kann der Parasit auf das Ungeborene übergehen und zu Fehlgeburten oder Schäden an Gehirn und Augen führen. Okuläre Toxoplasmose ist eine der häufigsten Ursachen für Sehverlust weltweit, besonders in Regionen mit begrenzter Gesundheitsversorgung.
Bedeutung für die öffentliche Gesundheit
Eine WHO-Anerkennung würde die Integration von Präventionsmaßnahmen in Programme für Mutter-Kind-Gesundheit, Lebensmittelsicherheit und Primärversorgung erleichtern. Sie würde zudem die Einbindung in die globale One-Health-Strategie fördern, die Mensch, Tier, Landwirtschaft und Umwelt verbindet. Bisher erhält Toxoplasmose im Vergleich zu Erkrankungen mit ähnlicher oder geringerer Belastung weniger Förderung.
Stimmen aus dem Projekt
„Toxoplasmose ist eine führende Augeninfektion und eine Hauptursache für Sehverlust weltweit, erhält aber nur begrenzte Aufmerksamkeit in globalen Gesundheitsagenden“, sagte Justine Smith von der Flinders University.
„Toxoplasmose wird oft als unvermeidbar angesehen, hat aber gut charakterisierte Übertragungswege und kann verhindert und kontrolliert werden“, ergänzte João Furtado von der Universität São Paulo.
Nächste Schritte
Das Papier skizziert einen Aktionsplan mit verbessertem Schwangerschaftsscreening, höherer Lebensmittel- und Wassersicherheit sowie koordinierten globalen Maßnahmen. Die Autoren hoffen auf eine rasche Prüfung durch die WHO.
FAQ
Worum geht es in dem Aufruf?
Internationale Experten fordern die Anerkennung der Toxoplasmose als vernachlässigte Tropenkrankheit durch die WHO.
Warum ist die Anerkennung relevant?
Sie würde mehr Mittel für Forschung, Prävention und Behandlung freisetzen und die Integration in bestehende Gesundheitsprogramme erleichtern.
Wie erfolgt die Übertragung?
Über unzureichend gegartes Fleisch, kontaminierte Lebensmittel oder Wasser sowie Katzenkot; auch von der Mutter auf das Ungeborene.
Wer ist beteiligt?
Experten unter Leitung von João Furtado (Universität São Paulo) und Justine Smith (Flinders University) aus mehreren Kontinenten.
Welche nächsten Schritte sind geplant?
Umsetzung praktischer Maßnahmen wie verbessertes Screening und Aufklärung sowie weitere Advocacy für eine WHO-Listung.
