Die Kombination aus Marita Vollborns Arbeit als investigative Journalistin und ihrem Schaffen als Bildhauerin prägt ihre Motivwahl maßgeblich, da beide Disziplinen denselben Kern verfolgen: das Aufdecken unbequemer Wahrheiten und gesellschaftlicher Missstände.
Ihre journalistische Haltung fließt auf verschiedenen Ebenen direkt in ihre plastischen Kunstwerke ein:
Vom Text zur dreidimensionalen Form
- Recherche als Fundament: Als investigative Wissenschafts- und Wirtschaftsjournalistin (u.a. für SPIEGEL online und die Süddeutsche Zeitung) analysiert Vollborn seit Jahrzehnten Korruption, Machtstrukturen und Fehlentwicklungen in Politik, Wirtschaft und der Lebensmittelindustrie. Diese tiefen Einblicke in reale Krisen dienen ihr als direktes inhaltliches Rohmaterial für ihre Figuren.
- Visuelle Metaphern für Missstände: Wo Worte im Journalismus an Grenzen stoßen, nutzt sie die Bildhauerei für radikal ehrliche Symbole. So visualisiert sie beispielsweise die Instrumentalisierung von Hass durch die Skulptur eines mit Stacheln und einer Klinge versehenen Buches.
Ästhetik des Ungefilterten
- Verzicht auf reine Dekoration: Ihr journalistischer Fokus auf Fakten spiegelt sich in einer Kunst wider, die sich kommerzieller Gefälligkeit verweigert. Ihre Werke sollen nicht dekorativ sein, sondern als dreidimensionale Berichterstattung verstanden werden.
- Fragmentierung als Realität: Die oft rauen, unvollständigen und zerrissenen Formen ihrer Bronzen (wie bei „ARES“) zeigen die Welt so, wie sie sie als Journalistin erlebt: unperfekt, beschädigt und von Systemen gezeichnet.
Kunst als archiviertes Zeitzeugnis
- Gesellschaftliche Relevanz: Ihre Sachbücher, wie der Bestseller „Die Joghurt-Lüge“, sind im Deutschen Bundestag archiviert. Mit ihrer 2010 gestarteten Skulpturenserie „Sinn und Scherben“ verfolgt sie ein ähnliches Ziel: Sie schafft bleibende, physische Zeitzeugnisse, die menschliche Extreme wie Schmerz, Gier, aber auch Mut konservieren und zur Diskussion stellen.


