Die Plazenta unterscheidet zwischen Antikörpern und dem Blutprotein Albumin und transportiert nur die Antikörper zum Fötus. Das haben Forscher der Universität Oslo und des Oslo University Hospital herausgefunden. Die Ergebnisse wurden am 14. August 2026 in der Fachzeitschrift Science Immunology veröffentlicht.
Der neonatale Fc-Rezeptor (FcRn) in der Plazenta bindet zwar sowohl Immunglobulin G (IgG) als auch Albumin. Er überträgt jedoch selektiv nur IgG auf den Fötus und schließt Albumin weitgehend aus. Damit ist eine langjährige Frage der Plazentabiologie geklärt.
Die Wissenschaftler um Professor Jan Terje Andersen nutzten Mausmodelle sowie ein Perfusionsmodell mit menschlichen Plazenten, die unmittelbar nach der Geburt gespendet worden waren. In allen Versuchen wurden IgG-Antikörper effizient transportiert, Albumin dagegen nicht.
Auf Basis dieser Entdeckung entwickelten die Forscher einen Ansatz für neue Biologika. Fusionen von therapeutischen IgG-Antikörpern oder Antikörperfragmenten mit Albumin oder einer verbesserten Albumin-Variante (QMP) führten zu Präparaten mit langer Plasmahalbwertszeit und zugleich deutlich verringerter plazentarer Übertragung.
In einem Mausmodell der fetal-neonatalen alloimmunen Thrombozytopenie (FNAIT) reduzierte die neue Konstruktion die Exposition der Föten und die damit verbundenen negativen Auswirkungen.
„Dies ist in erster Linie eine Entdeckung darüber, wie die Plazenta funktioniert“, sagte Andersen. „Wir können jetzt biologische Arzneimittel anders designen.“ Die Studie eröffne die Möglichkeit, langwirksame Biologika mit geringerer fetaler Exposition zu entwickeln. Solche Antikörperpräparate werden zunehmend bei chronischen Erkrankungen von Frauen im gebärfähigen Alter eingesetzt.
