Wien (LabNews Media LLC) – Atypische Meningeome sind Tumoren, die von den Hirnhäuten ausgehen, und bergen ein hohes Rückfallrisiko. Bislang war unklar, ob Patientinnen und Patienten nach einer vollständigen operativen Entfernung des Tumors von einer Strahlentherapie profitieren. Eine internationale Studie unter maßgeblicher Beteiligung der MedUni Wien liefert nun neue wissenschaftliche Belege für diesen Behandlungsansatz, der die Rückfallrate deutlich senken kann. Die Ergebnisse, kürzlich in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht, sollen in nationale und internationale Leitlinien einfließen.
Aufbau der Studie
An der als ROAM/EORTC-1308 bekannten Studie nahmen 157 Patientinnen und Patienten nach vollständiger Resektion eines atypischen Meningeoms teil. Von ihnen erhielten 78 zufällig ausgewählte Personen jeweils 30 Sitzungen Strahlentherapie, während 79 regelmäßig bildgebend überwacht wurden. Die klinische Studie wurde an 58 Krankenhäusern in elf Ländern durchgeführt (Österreich, Australien, Belgien, Irland, Frankreich, Deutschland, Neuseeland, Italien, Spanien, Schweiz und Vereinigtes Königreich). Die Medizinische Universität Wien spielte durch die Klinische Abteilung für Onkologie der Universitätsklinik für Innere Medizin I und deren Leiter Matthias Preusser eine führende Rolle.
Deutlich weniger Rückfälle
Die Ergebnisse liefern erstmals aus einer randomisierten Studie robuste Belege dafür, dass eine Strahlentherapie nach vollständiger Resektion eines atypischen Meningeoms das Rückfallrisiko deutlich senkt: Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von rund fünf Jahren erlitten 11 von 78 Patientinnen und Patienten (14 Prozent) in der Strahlentherapiegruppe ein Rezidiv des Meningeoms, verglichen mit 24 von 79 Patientinnen und Patienten (30 Prozent) in der Beobachtungsgruppe. Auch beim krankheitsfreien Überleben zeigte sich ein klarer Unterschied: Nach fünf Jahren waren 79,9 Prozent der Patientinnen und Patienten in der Strahlentherapiegruppe rezidivfrei, verglichen mit 64,3 Prozent in der Gruppe unter bildgebender Überwachung.
Einordnung durch die Studienleitung
„Die ROAM/EORTC-1308-Studie hat eine signifikante Reduktion der Rückfallrate gezeigt und liefert damit die derzeit beste Evidenz für den Einsatz einer adjuvanten Strahlentherapie bei Patientinnen und Patienten nach vollständiger chirurgischer Resektion eines atypischen Meningeoms. Diese Ergebnisse werden in nationale und internationale Leitlinien einfließen“, sagt Matthias Preusser, der die Studie gemeinsam mit Michael Jenkinson (Liverpool Clinical Trials Centre, UK), Carrol Gamble (Liverpool Clinical Trials Centre, UK) und Damien C. Weber (Paul Scherrer Institut und Inselspital – Universitätsspital Bern, Schweiz) leitete.
Die Entscheidung für oder gegen eine Strahlentherapie müsse jedoch gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten getroffen werden, betonen die Studienautorinnen und -autoren. Wichtig sei, mögliche Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Behandlung zu berücksichtigen, auch wenn schwerwiegende strahlenbedingte Ereignisse während der Studie selten auftraten.
Hintergrund zu Meningeomen
Meningeome machen etwa ein Drittel der primären Hirntumoren bei Erwachsenen aus – also jener Tumoren, die nicht durch Metastasen verursacht werden. Atypische Meningeome gehen auch nach vollständiger chirurgischer Resektion mit einem hohen Rückfallrisiko einher. Der Nutzen einer zusätzlichen Strahlentherapie nach der Tumorresektion war bislang nicht durch eine randomisierte Studie belegt. Die ROAM/EORTC-1308-Studie liefert nun die ersten wissenschaftlichen Belege hierzu. Weitere Studien sollen künftig unter anderem klären, ob der Nutzen der Strahlentherapie über fünf Jahre hinaus anhält.
Originalpublikation: The Lancet
Radiotherapy versus observation following surgical resection of WHO grade 2 atypical meningioma (ROAM/EORTC-1308): an international, multicentre, phase 3 randomised trial
Michael D Jenkinson et.al, *Carrol Gamble, *Matthias Preusser, *Damien C Weber.
*shared senior authors
