Die US-amerikanische Gesellschaft für Hämatologie (ASH) hebt die diagnostischen Grenzwerte für Ferritin an, um unerkannte Fälle weltweit drastisch zu reduzieren. Bislang werden bis zu 70 Prozent der Eisenmangel-Erkrankungen in Hochrisikogruppen übersehen, da die Referenzbereiche der Labore unzureichend waren. Die neuen Leitlinien definieren präzisere Grenzwerte für Kinder, Erwachsene, Schwangere und Menschen mit chronischen Entzündungen. Die forschungsbasierten Richtlinien wurden im Fachjournal Blood Advances veröffentlicht.
Erhöhte Ferritin-Grenzwerte im Bluttest
Eisenmangel gehört weltweit zu den am häufigsten vernachlässigten medizinischen Beschwerden und betrifft statistisch jeden Dritten. Bleibt er unbehandelt, droht eine Eisenmangelanämie (Blutarmut), die den Sauerstofftransport einschränkt und lebensgefährliche Komplikationen nach sich ziehen kann.
Da das Spurenelement im Speicherprotein Ferritin gelagert wird, dient der Ferritinwert im Blut als primärer Marker. Die ASH hat diese kritischen Absolutwerte nun nach oben korrigiert, um Patienten früher behandeln zu können:
- Kleinkinder (9 Monate bis 4 Jahre): Ein Mangel liegt vor bei einem Serum-Ferritinwert von 20 ng/mL oder darunter.
- Erwachsene sowie menstruierende oder schwangere Personen: Der Grenzwert steigt auf 30 ng/mL oder darunter.
- Hochrisikogruppen (z.B. bei starker Menstruationsblutung oder Anämie in der Schwangerschaft): Der Schwellenwert wird auf 50 ng/mL oder darunter festgesetzt.
- Erwachsene mit chronischen Entzündungen (z.B. Krebs, CED oder Infektionen): Ein Mangel liegt vor bei einem Wert unter 100 ng/mL kombiniert mit einer Transferrinsättigung von unter 20 Prozent.
„Diese aktualisierten Grenzwerte bieten klare Orientierung in einem Bereich, in dem es bislang an klinischem Konsens fehlte“, betonte die Leiterin der Leitlinienkommission, Dr. Jacquelyn M. Powers vom Texas Children’s Hospital.
Konsequenzen für Patientinnen und Patienten
Für Betroffene bedeuten die geänderten Richtlinien, dass Bluttestergebnisse neu interpretiert werden müssen. Personen, deren Werte zuvor knapp über den alten, niedrigeren Grenzwerten lagen und somit als gesund eingestuft wurden, fallen unter den neuen Richtlinien offiziell in die Kategorie eines behandlungsbedürftigen Eisenmangels.
Das gilt insbesondere, wenn chronische Symptome wie Abgeschlagenheit, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Kurzatmigkeit oder Haarausfall vorliegen. Die Fachgesellschaft empfiehlt Risikogruppen nachdrücklich, ihre Ärzte auf die Überprüfung der Blutwerte anhand der neuen Kriterien anzusprechen. Eine ergänzende Leitlinie zur gezielten Therapie des Mangels wird für das Jahr 2027 erwartet.
Die Studie ist im Fachjournal Blood Advances dokumentiert; eine separate Verlags-DOI wurde im Rahmen der vorliegenden Mitteilung der American Society of Hematology nicht gesondert ausgewiesen.
