Sydney – Eine intensive und langfristige Senkung des Blutdrucks verringert bei Überlebenden einer spontanen Hirnblutung (intrazerebrale Hämorrhagie, ICH) das Risiko eines erneuten Schlaganfalls um rund 38 Prozent. Das zeigt eine Meta-Analyse des George Institute for Global Health, die in The Lancet Neurology veröffentlicht wurde.
Die Forschenden werteten Individualdaten von 2.944 Erwachsenen aus vier randomisierten kontrollierten Studien aus. Zwei Studien prüften feste Dosierungen von Blutdrucksenkern, zwei zielten auf definierte Blutdruckwerte ab. Der mittlere systolische Blutdruck lag in der intensiven Gruppe bei 127 mmHg und in der Kontrollgruppe bei 138 mmHg (Differenz 11,2 mmHg).
Im Beobachtungszeitraum von bis zu sechs Jahren erlitten 6,5 Prozent der intensiv behandelten Patientinnen und Patienten einen erneuten Schlaganfall, verglichen mit 10,4 Prozent in der Kontrollgruppe. Der Effekt beruhte vor allem auf einer um etwa 61 Prozent geringeren Rate erneuter Hirnblutungen. Bereits im ersten Jahr konnten 16 erneute Schlaganfälle pro 1.000 Behandelten verhindert werden. Schwere Nebenwirkungen traten nicht häufiger auf.
Studienleiter Craig Anderson betonte, die Ergebnisse untermauerten die zentrale Rolle der Blutdruckkontrolle in der Sekundärprävention. Der Nutzen zeige sich auch bei Patientinnen und Patienten, deren Ausgangsblutdruck bereits bei oder unter 130 mmHg lag. Leitlinien empfehlen bislang meist Werte unter 130/80 mmHg; die Analyse lege nahe, dass auch darunter noch ein relevantes Risiko bestehe.
Weltweit erleiden jährlich mehr als drei Millionen Menschen eine ICH. Etwa ein Viertel der Überlebenden stirbt später an einem erneuten Schlaganfall oder einer anderen Herz-Kreislauf-Erkrankung. Die Autoren fordern, Barrieren wie mangelnde Therapietreue und therapeutische Trägheit gezielt anzugehen, etwa durch Kombinationspräparate und strukturierte Dosierungsschemata.
