Montréal (LabNews Media LLC) – Künstliche Intelligenz in Form von Chatbots wie ChatGPT oder Claude kann hochintelligent, einfühlsam und personalisiert antworten, ohne jedoch über Bewusstsein oder subjektives Erleben zu verfügen. Darauf weisen Forscher der Université de Montréal, der McGill University und der Johns Hopkins University hin.
In einem Beitrag in The Transmitter betonen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass Intelligenz nicht mit Bewusstsein gleichgesetzt werden dürfe. Auch hochentwickelte Informationsverarbeitung bedeute nicht automatisch subjektives Erleben. Vanessa Hadid von der Université de Montréal verweist auf das neurologische Phänomen der Blindheit (Blindsight): Betroffene können visuelle Informationen korrekt verarbeiten, ohne diese bewusst wahrzunehmen.
Karim Jerbi warnt vor der Gefahr der Anthropomorphisierung – also der Zuschreibung von Emotionen, Absichten oder Bewusstsein an KI-Systeme. Je überzeugender und flüssiger die Antworten der Chatbots werden, desto leichter entstehe die Illusion, verstanden zu werden. Dies könne zu fehlgeleitetem Vertrauen und emotionalen Abhängigkeiten führen.
Besonders kritisch sehen die Forscher den Einsatz von KI in sensiblen Bereichen wie der psychologischen Unterstützung. Hier bestehe die Gefahr, dass Nutzer vergessen, dass hinter den Antworten keine echte Person steht und keine echte Empathie oder Reziprozität existiert.
John W. Krakauer von der Johns Hopkins University unterstreicht, dass aktuelle KI-Systeme nichts fühlen und kein bewusstes Erleben haben. Die zunehmende Integration von KI in den Alltag mache es jedoch immer schwieriger, diese Grenze klar zu ziehen.
Die Forscher plädieren für einen informierten Umgang mit KI: Ihre Stärken als Werkzeug nutzen, ohne sie mit bewussten Gesprächspartnern zu verwechseln. Dadurch ließen sich Risiken wie übermäßige Abhängigkeit oder der Ersatz menschlicher Beziehungen durch KI reduzieren.


