Abnehmspritzen bezeichnen vor allem die Wirkstoffe Semaglutid (u. a. Ozempic, Wegovy), Tirzepatid (Mounjaro, Zepbound) und Liraglutid (Saxenda). Sie gehören zur Klasse der GLP-1-Rezeptoragonisten bzw. dualen Agonisten und werden zur Behandlung von Typ-2-Diabetes sowie zur Gewichtsreduktion bei Adipositas oder Übergewicht mit Begleiterkrankungen eingesetzt.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind gastrointestinal (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung) und meist mild bis moderat, vor allem in der Dosissteigerungsphase. Schwerwiegende und potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkungen sind deutlich seltener, werden jedoch in Fachinformationen der FDA, EMA und MHRA explizit aufgeführt und müssen bei der Nutzen-Risiko-Abwägung und Patientenaufklärung berücksichtigt werden.
1. Akute Pankreatitis (einschließlich nekrotisierender und tödlicher Verläufe)
Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die in schweren Fällen hämorrhagisch oder nekrotisierend verlaufen und tödlich enden kann.
FDA-Fachinformationen (u. a. Wegovy, Mounjaro/Zepbound) warnen ausdrücklich: Akute Pankreatitis, einschließlich fataler und nicht-fataler hämorrhagischer oder nekrotisierender Formen, wurde bei Patienten unter GLP-1-Rezeptoragonisten bzw. Tirzepatid beobachtet. Symptome sind anhaltende oder starke Bauchschmerzen (oft in den Rücken ausstrahlend), ggf. mit Übelkeit/Erbrechen. Bei Verdacht ist das Medikament sofort abzusetzen.
Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hat im Januar 2026 die Warnungen für die gesamte Klasse verschärft: Zwischen 2007 und Oktober 2025 gingen 1.296 Yellow-Card-Meldungen zu Pankreatitis ein, darunter 19 tödliche Fälle und 24 nekrotisierende Verläufe (bei geschätzt 25,4 Millionen abgegebenen Packungen in den letzten 5 Jahren).
Das Risiko gilt als selten, ist aber real und kann unbehandelt lebensbedrohlich werden.
2. Schilddrüsen-C-Zell-Tumoren (Boxed Warning / Black-Box-Warnung)
In Nagetierstudien verursachen Semaglutid und Tirzepatid dosis- und dauerabhängig Schilddrüsen-C-Zell-Tumoren (Adenome und Karzinome) bei klinisch relevanten Expositionen. Die Relevanz für den Menschen ist nicht geklärt.
Alle relevanten Präparate tragen eine Boxed Warning der FDA: Kontraindiziert bei persönlicher oder familiärer Vorgeschichte von medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC) oder Multiplem Endokrinem Neoplasie-Syndrom Typ 2 (MEN 2). Patienten müssen auf Symptome wie Knoten im Hals, Heiserkeit, Schluckbeschwerden oder Atemnot hingewiesen werden. Routinemäßige Calcitonin-Messungen oder Ultraschall haben unsicheren Wert.
3. Akute Gallenblasenerkrankungen (Cholelithiasis und Cholezystitis)
Erhöhtes Risiko für Gallensteine und Gallenblasenentzündung. In klinischen Studien zu Wegovy traten Cholelithiasis bei 1,6 % (vs. 0,7 % Placebo) und Cholezystitis bei 0,6 % (vs. 0,2 %) auf; bei Jugendlichen noch höher. Rascher Gewichtsverlust trägt bei, das Risiko bleibt aber auch nach Adjustierung erhöht. Unbehandelte Komplikationen können zu Sepsis und schweren Verläufen führen.
4. Schwere gastrointestinale Reaktionen, Dehydratation und akutes Nierenversagen
Schwere GI-Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) können zu Volumenmangel und akutem Nierenversagen führen (teilweise dialysepflichtig). Post-Marketing-Berichte bestätigen diesen Zusammenhang. Die Präparate sind bei schwerer Gastroparese nicht empfohlen.
Zusätzlich wurden post-marketing Ileus (Darmlähmung) und intestinale Obstruktion (Darmverschluss) sowie schwere Obstipation mit Fäkalimpaktation berichtet.
5. Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen (Anaphylaxie und Angioödem)
Seltene, aber potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktionen einschließlich Anaphylaxie und Angioödem. Bei Auftreten sofort absetzen und notfallmedizinisch behandeln. Kontraindiziert bei bekannter schwerer Überempfindlichkeit.
6. Schwere Hypoglykämie
Vor allem in Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen. Kann zu Bewusstlosigkeit und anderen schweren Komplikationen führen. Monotherapie birgt ein deutlich geringeres Risiko.
7. Pulmonale Aspiration unter Narkose oder tiefer Sedierung
Durch verzögerte Magenentleerung kann trotz Nüchternheit residualer Mageninhalt aspiriert werden. Seltene Post-Marketing-Fälle sind dokumentiert. Patienten müssen den Anästhesisten über die Einnahme informieren.
8. Nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION) – speziell Semaglutid
Die EMA (PRAC) hat 2025 NAION als sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid (Ozempic, Wegovy, Rybelsus) eingestuft (bis zu 1 von 10.000 Behandelten). Epidemiologische Daten zeigen etwa eine Verdopplung des Risikos. Es kann zu plötzlichem oder rasch fortschreitendem Sehverlust kommen. Bei Symptomen ist das Medikament abzusetzen und eine augenärztliche Untersuchung erforderlich.
Weitere Hinweise
- Suizidgedanken und -verhalten: In den Labels erwähnt und überwacht; EMA/PRAC fand 2024 keine kausale Assoziation, empfiehlt aber weiterhin Wachsamkeit.
- Die meisten schweren Ereignisse sind selten. Große randomisierte Studien und Meta-Analysen zeigen für die zugelassenen Indikationen in der Regel ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis (u. a. kardiovaskuläre Risikoreduktion).
- Kontraindikationen, langsame Dosissteigerung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und engmaschige ärztliche Überwachung (besonders bei Vorerkrankungen) sind essenziell.
- Komplexe oder unklare Produkte (z. B. Compounded-Versionen) bergen zusätzliche Risiken.
Quellen (Auswahl der wichtigsten offiziellen Dokumente):
FDA Prescribing Information Wegovy (Stand 08/2025), Mounjaro/Zepbound; MHRA Drug Safety Update (Januar 2026); EMA/PRAC zu NAION (2025); Post-Marketing-Daten und klinische Studienberichte.
Dieser Text basiert ausschließlich auf behördlichen Fachinformationen, Pharmakovigilanz-Meldungen und peer-reviewed Daten. Individuelle Risiken müssen immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Bei Symptomen wie starken Bauchschmerzen, Gelbsucht, plötzlichem Sehverlust, Atemnot oder schweren allergischen Reaktionen ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich.

