London – Männer erkranken weltweit häufiger an Tuberkulose als Frauen und machen rund zwei Drittel der globalen Diagnosen aus. Eine Analyse der University College London zeigt, dass dies vor allem an einer höheren Exposition gegenüber dem Erreger liegt und nicht an einer stärkeren biologischen Anfälligkeit für den Übergang von Infektion zu aktiver Erkrankung. Die Ergebnisse erschienen in eClinicalMedicine (DOI: 10.1016/j.eclinm.2026.104146).
Das Team um Yohhei Hamada und Sujen Surenthirarajah wertete Daten von mehr als 22.000 Personen aus 11 prospektiven Kohortenstudien in 14 Ländern Europas, Afrikas, Asiens und Südamerikas aus. Männer wiesen zu Studienbeginn häufiger bereits eine bestehende Tuberkulose-Infektion auf, was auf eine höhere lebenslange Exposition hindeutet. Nach Berücksichtigung des Infektionsstatus zeigte sich jedoch kein signifikanter Unterschied zwischen den Geschlechtern beim Fortschreiten zur aktiven Erkrankung.
Hamada erklärte, die Ergebnisse legten nahe, dass Maßnahmen zur Verringerung der Exposition bei Männern – etwa in Beruf, sozialem Umfeld und Lebensstil – den Geschlechterunterschied stärker verringern könnten als Ansätze, die allein auf die Progression der Erkrankung abzielten. Surenthirarajah betonte, die Arbeit solle künftige Forschung zu biologischen und sozialen Mechanismen der geschlechtsspezifischen Unterschiede anregen.
Tuberkulose wird durch Bakterien übertragen und betrifft meist die Lunge. Symptome sind anhaltender Husten, Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Müdigkeit. Die Übertragung erfolgt über die Luft in beengten oder schlecht belüfteten Räumen.
