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Medizin

Medizintechnik: Neues System nutzt den menschlichen Körper als Datennetzwerk

Atlanta/Georgia (LabNews Media LLC) – Einem US-amerikanischen Ingenieursteam des Georgia Institute of Technology (Georgia Tech) ist ein bedeutender Durchbruch in der personalisierten Bioelektronik gelungen. Die Forscher entwickelten ein kabelloses Netzwerksystem namens „SWANS“ (Smart Wireless Autonomous Networking System), das winzige implantierbare Sensoren und Aktuatoren über die natürliche elektrische Leitfähigkeit des menschlichen Körpergewebes miteinander kommunizieren lässt. Das im Fachjournal Science vorgestellte Verfahren ermöglicht es vernetzten Geräten an völlig unterschiedlichen Stellen des Körpers, biologische Signale autonom zu erfassen und direkt an einem anderen Ort eine therapeutische Reaktion – wie eine Nervenstimulation oder Medikamentenfreigabe – auszulösen (DOI: 10.1126/science.adz5300). Bisherige drahtlose Übertragungsstandards wie Bluetooth oder NFC stoßen im menschlichen Körper an physikalische Grenzen, da Gewebe und Flüssigkeiten herkömmliche Funksignale stark blockieren. Zudem erfordern diese Technologien relativ große Antennen und viel Energie, weshalb medizinische Implantate bislang entsprechend groß dimensioniert sein mussten. Das SWANS-System umgeht diese Barrieren,… 

Animated illustration of knee joints along a leg, with colorful pink and purple cartilage shown between bones against a black background

CAR-T-Zellen lindern schwere rheumatoide Arthritis

BERLIN, 27. August (LabNews Media LLC) – Eine einmalige Infusion genetisch veränderter T-Zellen hat bei sechs schwer erkrankten Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis die Krankheitsaktivität deutlich gesenkt. Das berichtet ein Team der Charité und des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums in Nature Medicine (DOI: 10.1038/s41591-026-04603-3). Teilgenommen haben drei Frauen und drei Männer im Alter von 31 bis 69 Jahren. Alle waren seropositiv und hatten in zehn Jahren bis zu acht zielgerichtete oder biologische Therapien ohne ausreichenden Erfolg erhalten. Die eigenen T-Zellen wurden so verändert, dass sie das Oberflächenmerkmal CD19 auf B-Zellen erkennen. Nach einer kurzen Chemotherapie zur Vorbereitung folgte eine einzige Infusion. Bis zu einem Jahr Beobachtung waren drei der sechs Betroffenen ohne Rheumamedikamente in anhaltender Remission. Typische Autoantikörper sanken stark. Als das B-Zell-System zurückkehrte, waren vor allem naive Zellen nachweisbar, krankheitsspezifische B-Zellen fast nicht mehr. Schutzantikörper nach Impfungen, etwa gegen Tetanus… 

Fluorescent microscopy image of several green-edged cells with blue nuclei against a black background.

Vorkrebszellen im Blut lassen das Knochenmark vorzeitig altern

BAR HARBOR, 27. August (LabNews Media LLC) – Mutierte Blutstammzellen verändern ihr Umfeld im Knochenmark so, dass gesunde Zellen benachteiligt werden. Das berichtet ein Team um Jennifer Trowbridge vom Jackson Laboratory in Nature Cell Biology (DOI: 10.1038/s41556-026-02025-4). Die Forschenden untersuchten die klonale Hämatopoese: Mit dem Alter tragen bestimmte Stammzellen Mutationen und produzieren überproportional viele Blutzellen. Die Erscheinung betrifft rund jeden fünften Menschen über 70 Jahre. Sie ist noch kein Krebs, erhöht aber das Risiko für Blutkrebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Mausmodellen und menschlichen Proben zeigten mutierte Zellen Wirkung auf mesenchymale Stromazellen, die die Blutbildung stützen. Diese gerieten in einen seneszenten Zustand: Sie teilten sich nicht mehr normal, blieben aber aktiv und setzten Signalstoffe frei. Dadurch entstand ein Milieu, das den Mutanten nützt. Das Knochenmark alterte schneller, als es dem kalendarischen Alter entspräche. Wurden seneszente Stützzellen in Mäusen entfernt, wuchsen die mutierten… 

AP pelvic X-ray showing pelvis, both hip joints, and proximal femurs

KI sagt Hüftbruchrisiko besser voraus als bisheriges Screening

GÖTEBORG, 27. August (LabNews Media LLC) – Ein aus schwedischen Registerdaten trainiertes Vorhersagemodell erkennt Menschen mit hohem Hüftbruchrisiko deutlich besser als die derzeitige klinische Vorsorge. Das berichtet ein Team der Universität Göteborg in PLOS Medicine (DOI: 10.1371/journal.pmed.1005190). Die Forschenden um Kristian Axelsson und Mattias Lorentzon werteten Daten von 3.542.647 Personen ab 50 Jahren über bis zu zehn Jahre aus. 142.327 erlitten einen Hüftbruch. Das Modell FRACTURE-ML nutzte mehr als 100.000 Angaben zu Diagnosen, Medikamenten, Eingriffen sowie demografischen und sozioökonomischen Merkmalen. Eine persönliche Untersuchung war nicht nötig. Die Trennschärfe lag ein Jahr im Voraus bei einem AUC-Wert von 0,89, fünf Jahre im Voraus bei 0,85. Eine auf 35 Variablen reduzierte Fassung schnitt fast ebenso gut ab. Gegenüber der schwedischen Praxis erfasste das Modell binnen zwei Jahren fast siebenmal so viele gefährdete Personen (Sensitivität 0,84 gegen 0,12). Die Spezifität sank von 0,98… 

Infografik erklärt den Zusammenhang zwischen NFL-Werten und kognitivem Abbau bei Männern; bei Frauen kein klarer Trend erkennbar, Hinweis auf schnelleren Verlauf bei Männern.

NfL Blutmarker signalisiert bei Männern schwereren Alzheimer-Verlauf

Eine neue Übersichtsarbeit zeigt, dass der Blutmarker Neurofilament Light Chain (NfL) bei Männern mit Alzheimer-Erkrankung auf eine schwerere neuronale Schädigung hinweisen kann als bei Frauen. Bei vergleichbaren NfL-Werten weisen Männer häufig stärkere kognitive Einbußen, stärkere Hirnatrophie und eine schnellere Krankheitsprogression auf. Die Arbeit wurde in der Zeitschrift Brain Medicine veröffentlicht. Hintergrund NfL ist ein etablierter Biomarker für neuronale Schädigung. Er steigt im Blut bereits Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome an und korreliert mit dem Ausmaß des Nervenzelluntergangs. Der Marker wird zunehmend in der Alzheimer-Diagnostik und Verlaufsbeobachtung eingesetzt, da er minimal-invasiv aus dem Blut bestimmt werden kann. Wichtige Erkenntnisse Die Autoren werteten vorliegende Studien aus und fanden konsistente Hinweise darauf, dass derselbe NfL-Wert bei Männern mit einem fortgeschritteneren Krankheitsstadium und einer stärkeren funktionellen Beeinträchtigung einhergeht als bei Frauen. Dieser geschlechtsspezifische Effekt war für NfL spezifisch und zeigte sich nicht in… 

Multi-Omics. Symbolbild. Credits: Unsplash

Multi-Omics und „Aging Clocks“ für die weibliche reproduktive Gesundheit

Fortschritte in der Multi-Omics-Forschung und sogenannten biologischen Alterungsuhren (Aging Clocks) ermöglichen ein deutlich genaueres Verständnis des Alterns des weiblichen Fortpflanzungssystems. Statt allein das chronologische Alter oder den Zeitpunkt der Menopause zu betrachten, erfassen diese Methoden den biologischen Alterungsprozess auf molekularer Ebene und könnten künftig zu einer personalisierten Prävention und Therapie von Fertilitätsstörungen und altersbedingten Erkrankungen beitragen. Ein aktueller Übersichtsartikel im „Hepatology International“ (erschienen am 20. Mai 2026) fasst zusammen, wie epigenetische, transkriptomische, proteomische, metabolomische und mikrobiomische Daten zusammen ein umfassendes Bild des reproduktiven Alterns zeichnen. Im Zentrum steht der Alterungsprozess der Eierstöcke mit dem Verlust der Follikelreserve und dem Rückgang der Eizellqualität. Dieser wird durch mitochondriale Dysfunktion, genomische Instabilität, zelluläre Seneszenz, oxidativen Stress und chronische Entzündungsprozesse beschleunigt. Die Folgen reichen weit über die Fruchtbarkeit hinaus und erhöhen das Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach der Menopause. Ähnliche degenerative Veränderungen betreffen… 

Generika-Markt wächst weltweit weiter

Der globale Markt für Generika (Nachahmerarzneimittel) setzt seinen Aufwärtstrend fort. Experten rechnen für die kommenden Jahre mit einem jährlichen Wachstum von rund 5 bis 7 Prozent. Treiber sind anhaltende Patentabläufe bei Blockbuster-Medikamenten, der steigende Bedarf an bezahlbaren Therapien bei chronischen Erkrankungen und politische Initiativen zur Senkung von Gesundheitsausgaben. Gleichzeitig nehmen Komplexität und Wettbewerbsdruck zu – vor allem durch Biosimilars und Lieferketten-Herausforderungen. Nach aktuellen Schätzungen lag das Volumen des weltweiten Generika-Marktes 2025 bei etwa 460 bis 490 Milliarden US-Dollar. Bis 2030 bis 2035 wird mit einem Anstieg auf 570 bis über 760 Milliarden Dollar gerechnet, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von circa 5 bis 5,7 Prozent. Einige Prognosen sehen sogar höhere Raten bis zu 8 Prozent, abhängig von der Region und dem Einbezug von Biosimilars. Nordamerika bleibt dominierend, Asien wächst am schnellsten Nordamerika, allen voran die USA, hält mit rund… 

Psychedelika-Therapien: Was wir 2026 wissen – Wirkmechanismen, klinische Evidenz und Perspektiven

Psychedelika-Therapien (auch „psychedelisch-assistierte Therapie“) kombinieren die einmalige Gabe einer psychedelischen Substanz mit intensiver psychotherapeutischer Begleitung in einem kontrollierten, medizinisch überwachten Setting. Im Gegensatz zum reinen Drogenkonsum steht hier nicht die akute Rauschwirkung im Vordergrund, sondern die langfristige Veränderung von Denkmustern, Emotionen und Verhaltensweisen. Die aktuelle Forschung (Stand April 2026) zeigt vielversprechende Ergebnisse bei schwer behandelbaren psychischen Erkrankungen – vor allem Depressionen, PTBS, Angststörungen und Suchterkrankungen. Die wichtigsten Substanzen und ihre Einsatzgebiete Gemeinsamer Wirkmechanismus – die neue Mega-Analyse 2026 Die bisher größte Hirnbildgebungs-Studie (Nature Medicine, April 2026) hat über 500 Messungen von 267 Probanden unter fünf verschiedenen Psychedelika ausgewertet. Das zentrale Ergebnis: Trotz unterschiedlicher chemischer Strukturen erzeugen alle Substanzen ein sehr ähnliches Muster im Gehirn: Dieses Muster erklärt die typischen Erlebnisse: veränderte Wahrnehmung, Ego-Auflösung, tiefgreifende emotionale Einsichten und die Fähigkeit, festgefahrene Denkmuster zu durchbrechen. Gleichzeitig öffnet sich ein kurzes „kritisches Fenster“… 

Demenztherapie: Nicht-medikamentöse Ansätze erhalten Selbstständigkeit

Die Therapie von Demenz wird häufig auf die Verordnung von Medikamenten reduziert. Dabei können nicht-medikamentöse Maßnahmen wie regelmäßige Bewegung, gezielte kognitive Aktivierung, Ergotherapie oder Musiktherapie einen wesentlichen Beitrag leisten. Sie stabilisieren kognitive Fähigkeiten, fördern Alltagskompetenzen und lindern Begleitsymptome wie Unruhe, Apathie oder depressive Verstimmungen – oft mit nachhaltiger Wirkung auf die Lebensqualität von Betroffenen und ihren Angehörigen. „Nicht-medikamentöse Therapien setzen an den vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten der Menschen an“, betont Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin Wissenschaft bei der Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI). „Richtig angeleitet und regelmäßig durchgeführt, helfen sie, Selbstständigkeit länger zu erhalten und das Wohlbefinden zu verbessern.“ Die AFI informiert Betroffene und Angehörige darüber, welche Ansätze wissenschaftlich untersucht sind und worauf bei der Auswahl geachtet werden sollte. Bewegung als eine der besten evidenzbasierten MaßnahmenKörperliche Aktivität zählt zu den am besten belegten nicht-medikamentösen Interventionen. Dazu gehören zügiges Gehen, Radfahren, Gymnastik,… 

Uremische Toxine: Darmbasiertes Gift, das bei chronischer Nierenerkrankung Entzündungen und Herz-Kreislauf-Risiken verstärkt

Uremische Toxine, insbesondere die sogenannten gut-derived uremic toxins (GDUTs), spielen eine zentrale Rolle bei der Progression der chronischen Nierenerkrankung (CKD) und ihren Komplikationen. Diese Substanzen entstehen durch den Stoffwechsel von Darmbakterien und reichern sich bei nachlassender Nierenfunktion im Körper an. Sie fördern systemische Entzündungen, Arterienversteifung, Gefäßschäden und erhöhen das kardiovaskuläre Risiko – selbst wenn die Nierenfunktion (gemessen an Kreatinin oder eGFR) noch stabil bleibt. Das neue Probiotikum Lactobacillus rhamnosus L34 der Chulalongkorn University zielt genau auf diese Toxine ab und konnte in Studien deren Spiegel senken. Uremische Toxine sind eine heterogene Gruppe von Stoffen, die bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht ausreichend ausgeschieden werden. Besonders problematisch sind die protein-bound uremic toxins (PBUTs), die an Eiweiße im Blut gebunden sind und daher nur schwer durch herkömmliche Dialyse entfernt werden können. Die wichtigsten darmbasierten Vertreter sind: Bei CKD kommt es zu einer Dysbiose des…