Baltimore (LabNews Media LLC) – Ein internationales Forscherteam hat mit einem neuartigen Gen-Netzwerk-Ansatz mehr als 600 bisher nicht bekannte Gene identifiziert, die mit Schizophrenie in Zusammenhang stehen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht.
Bisherige genetische Untersuchungen konzentrierten sich meist auf Varianten, die sich in der Nähe von Genen befinden. Das Team um Dr. Giulio Pergola vom Lieber Institute for Brain Development berücksichtigte nun erstmals systematisch auch langreichweitige regulatorische Beziehungen zwischen Genen sowie Gen-Koexpressionsnetzwerke im Gehirn.
Die Analyse basierte auf genetischen Daten von über 102.000 Personen sowie auf Hirngewebeproben aus mehreren Hirnregionen. Dabei identifizierten die Forscher insgesamt 641 neue mit Schizophrenie assoziierte Gene. Die betroffenen biologischen Prozesse umfassen unter anderem Glutamat-Signalwege, die Kommunikation zwischen Hirnzellen, Immunprozesse und die Hirnentwicklung.
„Die meisten genetischen Studien haben nur unter der Straßenlaterne gesucht und sich auf Gene in der Nähe von Krankheitsvarianten konzentriert“, erklärte Dr. Giulio Pergola. „Durch die Einbeziehung von Gen-Koexpressionsnetzwerken haben wir quasi das Licht im ganzen Viertel eingeschaltet und gezeigt, wie entfernte genetische Varianten gemeinsam zur genetischen Grundlage der Schizophrenie beitragen.“
Dr. Daniel Weinberger, CEO des Lieber Institute, betonte, dass Schizophrenie-Risiko nicht nur von einzelnen Genen, sondern von koordinierten Gen-Netzwerken abhänge. Das Verständnis dieser genetischen Programme bringe die Präzisionspsychiatrie einen Schritt weiter.
Die Studie unterstreicht, dass Schizophrenie ein komplexes, netzwerkbasiertes genetisches Geschehen ist und eröffnet neue Ansätze für die Entwicklung gezielter Therapien.
