Wien (LabNews Media LLC) – Ein internationales Forschungsteam hat ein System entwickelt, das eine tragbare Handorthese mit individueller Nervenstimulation kombiniert und damit die Handfunktion bei Patienten mit neurologischen Verletzungen deutlich verbessern kann. Das System mit dem Namen SensoExo ermöglicht bessere Fingerbeweglichkeit, Tastsinn und Griffkontrolle.
Unter der Leitung von Stanisa Raspopovic von der Medizinischen Universität Wien testeten die Forschenden das System an 14 Patienten mit Beeinträchtigungen nach Rückenmarks- oder Hirnverletzungen. Die Kombination aus mechanischer Unterstützung durch das Exoskelett und elektrischer Nervenstimulation brachte zusätzliche Vorteile gegenüber der alleinigen Nutzung des Exoskeletts.
Besonders Patienten mit schweren motorischen Einschränkungen profitierten von der zusätzlichen Muskelstimulation, die das Öffnen und Schließen der Hand erleichterte. Patienten mit starkem Sensibilitätsverlust konnten durch die künstliche taktile Rückmeldung fragile Gegenstände präziser greifen, ohne sie zu stark zu quetschen.
In funktionellen Tests zeigten die Teilnehmer die höchsten Erfolgsraten beim Greifen und Transportieren alltäglicher Gegenstände. Die Forschenden betonten, dass das System je nach individuellem Beeinträchtigungsprofil angepasst werden kann.
Stanisa Raspopovic erklärte, dass das Ziel nicht nur gewesen sei, Bewegungen mechanisch zu unterstützen, sondern auch den Tastsinn wiederherzustellen. Gerade beim Greifen sei das Zusammenspiel von Kraft, Bewegung und Tastsinn entscheidend.
Die Technologie befindet sich derzeit noch im Prototypenstadium. Die Studie liefert jedoch frühe klinische Evidenz dafür, dass nicht-invasive Neurostimulation in Kombination mit tragbarer Robotik eine realistische Grundlage für künftige personalisierte Assistenzsysteme darstellen kann. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.
